Wirtschaft : Die Bundesbank muß mit der Zeit gehen

JOACHIM HOFER

VON JOACHIM HOFERAm Ende hat sich der heftige Streit mit der Bundesbank für Theo Waigel doch noch gelohnt.Gut zehn Milliarden zusätzlich aus der Kasse der Bundesbank ist ein Batzen, der sich sehen lassen kann.Hätten die Bonner vor einem Jahr nicht so laut getrommelt, wäre die Ausschüttung viel geräuschloser über die Bühne gegangen.Denn eine Neubewertung der Devisenreserven hätte die Bundesbank wohl auch aus eigenem Antrieb vorgenommen.Um Gewinne zu realisieren, die sonst zumindest zum Teil bei der Europäischen Zentralbank angefallen wären.Schließlich wird die Bundesbank wie die anderen zehn Notenbanken der künftigen Euro-Länder auch einen Teil ihre Reserven als Kapitalanteil an die Euro-Bank in Frankfurt übertragen.Trotz des jetzt ausgeschütteten Neubewertungs-Gewinnes bergen die Dollar- und Goldschätze der Bundesbank immer noch beträchtliches Potential.Die Reserven der Bundesbank sind gemessen an den Marktpreisen immer noch niedrig bewertet.Neue Begehrlichkeiten sind damit angesichts der leeren öffentlichen Kassen programmiert.Zumindest 1998 werden die Währungshüter nicht mehr so spendabel sein, danach sieht die Welt mit dem Euro ohnehin anders aus.Gleichwohl wären langfristig verbindliche Regeln für die Bewertung und die Nutzung der Reserven allmählich an der Zeit.Schließlich gehören die Schätze der Bundesbanker weder den Währungshütern noch dem Finanzminister.Sie sind Teil des hierzulande angehäuften Wohlstands.Sie sollten damit zumindest zum Teil für die gesamte Volkswirtschaft genutzt werden und nicht nur in den Bundesbank-Tresoren schlummern.So wenig wie der jetzt unterschriebene Milliardenscheck die Stabilität der DM ins Wanken bringen wird, so wenig wird eine Gold- Überweisung aus Frankfurt die europäische Währungslandschaft in Unruhe versetzen.Das wird die Europäische Zentralbank verhindern.

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