Wirtschaft : Die Chancen für Risikokapital verbessern sich

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Der Markt für Risikokapital erholt sich langsam. Nach den stürmischen Aufschwungsjahren 1999/2000 und einer drastischen Konsolidierung seit Mitte des vergangenen Jahres steigen nach Meinung von Experten nun wieder die Chancen für Unternehmensgründer mit professionellen Geschäftsplänen. Die Zeiten, in denen junge Hightech-Unternehmen den Markt und die Preise bestimmen konnten, seien aber vorbei, heißt es beim Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK). Gefragt seien gute Konzepte in eher traditionellen Branchen oder in so genannten Later-Stage-Szenarien, also fortgeschrittenen Phasen der Unternehmensgründung. Am Donnerstag kamen 450 Branchenvertreter beim 2. Berliner Venture Capital Kongress unter dem Funkturm zusammen.

Die neue Bescheidenheit in der Branche lässt sich auch am moderaten Wachstum des verfügbaren Kapitals ablesen. Das Portfolio der im BVK organisierten 5600 VentureCapital-Firmen stieg im ersten Halbjahr 2001 nur leicht von 21,4 auf 23,5 Milliarden Mark. Neu investiert wurden im gleichen Zeitraum 3,3 Milliarden (2000: 3,2 Milliarden) Mark, die gut 1000 jungen Unternehmen zugute kamen. Das kleine Plus kam zustande, obwohl die VC-Gesellschaften massive Wertberichtigungen bei ihren Beteiligungen vornehmen mussten und Eigenkapitalinvestoren vorsichtiger operierten.

"Die Prüfungszyklen sind länger und intensiver geworden", sagt Martin Weber, Vorstandschef der Holtzbrinck Networx AG. "Die Produkte oder Dienstleistungen müssen gut sein, die Strategie muss stimmen und die Investoren müssen wirklich verstanden haben, was die jungen Unternehmer machen." Networxs, die Corporate-Venture-Gesellschaft der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, in der auch der Tagesspiegel erscheint, betreibt das Geschäft mit einigem Erfolg: Im Portfolio hält das Unternehmen 13 Beteiligungen, darunter an dem profitabel arbeitenden Online-Buchhändler Booxtra. Im laufenden Jahr seien 40 Millionen Mark investiert worden, sagt Weber, "und es ist genug Kapital da, um Neues zu unternehmen." Für 2002 hat sich Networx fünf bis sechs neue Engagements vorgenommen, das Investitionsvolumen soll "stabil" bleiben. Als Konzerntochter stehe man aber nicht unter "Anlagedruck".

Risikokapital werde künftig dringender denn ja gebraucht, glaubt Klaus von der Heyde, Präsident des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller. "Aufgrund der vorhersehbaren Auswirkungen von Basel II wird sich in Zukunft die Fremdkapitalfinanzierung durch Bankkredite verteuern."

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