Wirtschaft : Die Deutschen bleiben Aktienmuffel

Deutsches Aktieninstitut wendet sich gegen Besteuerung FRANKFURT (MAIN) (ro).Der Börsenboom des vergangenen Jahres und der letzten Wochen und Monate hat zwar mehr Deutsche zum Aktienkauf gebracht.Immer noch aber gibt es im internationalen Vergleich in Deutschland wenig Aktionäre.Liegt der Anteil von Aktienbesitzern gemessen an der Gesamtbevölkerung nach Angaben des Deutschen Aktieninstitutes (DAI) hierzulande bei gerade mal 6,4 Prozent, sind es in Schweden 35, in den USA 21 oder in Großbritannien 17,5 Prozent.Eine Besteuerung von Kursgewinnen über die bisher gültige Sechs-Monatsfrist hinaus wäre nach Ansicht des DAI mehr als kontraproduktiv."Das hätte verheerende Auswirkungen und wäre nur schädlich für den Standort Deutschland", betont DAI-Präsident Max Dietrich Kley, im Hauptberuf Vorstandsmitglied der BASF. Ganz im Gegensatz dazu kommt es nach Ansicht von DAI-Vorstandsmitglied Rüdiger von Rosen darauf an, das Interesse an Aktien weiter gezielt zu fördern.Schließlich habe der Börsengang gerade von kleinen und mittelständischen Unternehmen auch eine besondere volkswirtschaftliche Dimension.Über die Börse werde das Wachstum der Firmen finanziert."Und dies ist in den meisten Fällen auch mit der Schaffung neuer Arbeitsplätze verbunden." Die Gesetzeslage sei dabei kein Hindernis."Mit Blick auf den Kapitalmarkt gibt es den allseits beklagten Reformstau nicht", betont Kley.Das DAI will sich für ein Schulfach Wirtschaft stark machen.Die ökonomische Bildung sei nach wie vorunbefriedigend, klagt von Rosen. Allerdings ist man beim DAI nicht mit allen Entwicklungen an der Börse zufrieden.Der Neue Markt sei zwar eine Bereicherung für den Finanzplatz Deutschland und mitverantwortlich für viele Neuemissionen und damit für die dringend notwendige Verlängerung des Kurszettels.Aber die "teilweise extremen" Kursschwankungen und die hohen Kurs-Gewinn-Verhältnisse rufen bei von Rosen Unbehagen hervor.Dies erfordere ein Umdenken bei den Anlegern."Um Enttäuschungen zu vermeiden, empfiehlt das DAI dringend, Kauf- oder Verkaufsaufträge für Aktien der Unternehmen aus dem Neuen Markt zu limitieren." Unwohl ist von Rosen auch bei den hohen Kursen bei der ersten Notiz von neuen Papieren am Neuen Markt.Sie liegen zum Teil um das Vierfache über dem Emissionspreis, den die Banken nach Rücksprache mit Branchenexperten als für das Potential und den Wert des jeweiligen Unternehmens festgelegt haben.Unter marktwirtschaftlichen Aspekten sei es unbefriedigend, daß Anleger bereit seien, mehr zu bezahlen.

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