Wirtschaft : Die Deutschen drehen den Euro zwei Mal um

Trotz höherer Einkommenserwartung wird vorsichtig gekauft

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Berlin (Tsp). Die deutschen Konsumenten sind wegen der anhaltenden Diskussion über Steuererhöhungen und der schlechten Situation auf dem Arbeitsmarkt zutiefst verunsichert. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Für ihre monatliche KonsumklimaStudie hat die GfK rund 2000 Verbraucher befragt.

Zwar sei der Abschwung der Konsumstimmung gestoppt, die Stimmung habe sich sogar von 3,6 Punkten im April auf 3,8 Punkte im Mai leicht verbessert, teilte die GfK am Freitag mit. Auf absehbare Zeit seien von den Verbrauchern aber keine nennenswerten Impulse zu erwarten. Deutschland droht nach Einschätzung der Nürnberger Marktforscher ein weiteres Jahr der Stagnation, zumal der Konsum mehr als 60 Prozent des Inlandsproduktes ausmache.

Für mehr als sieben von zehn Deutschen sei Arbeitslosigkeit das beherrschende Thema, sagte der GfK-Vorstandsvorsitzende Klaus Wübbenhorst. Angesichts von 4,5 Millionen Erwerbslosen im April und der Sorge vor einem möglichen Verlust des eigenen Arbeitsplatzes seien Verbraucher in ihrem Konsumverhalten derzeit „sehr vorsichtig“. Aus Sicht der Verbraucher seien auch Rezessionsgefahren keineswegs gebannt. Dies spiegelte sich im erneut deutlichen Rückgang der so genannten Anschaffungsneigung im Mai wider. Der entprechende Index gab von minus 32,3 auf minus 39,9 Zähler nach. Damit hat die Anschaffungsneigung fast wieder das Niveau vom Dezember des vergangenen Jahres erreicht. „Konsum beginnt im Kopf. Wer Angst hat, gibt nur das Notwendigste aus und spart. Angst lähmt“, sagte Wübbenhorst.

Daran ändere auch die positive Einkommenserwartung wenig. Immerhin zeigte dieser Wert mit plus drei eine leichte Tendenz nach oben. Mit einem Wert von minus 12,6 Punkten liege er jedoch immer noch deutlich unter dem Wert vom Mai 2002, erklärte die GfK. Dass die Einkommenserwartung positiver sei als die Konjunkturstimmung, liege an der niedrigen Teuerungsrate, dem Eurokurs und den positiven Meldungen von den Börsen. All dies stärke die Kaufkraft und Vermögenssituation der Konsumenten und gebe ihnen zumindest das Gefühl, nicht ärmer zu werden. Die Mehrheit der Deutschen dürfte aber davon ausgehen, dass die zu erwartenden politischen Reformen auch an ihrem Einkommen und ihrer Vermögenssituation nicht spurlos vorübergehen werden, schränkt die GfK ein.

Zudem seien die Bürger der „Geiz-ist-Geil-Welle“ verfallen. Dabei beachte der Einzelne in der Regel nicht die gesamtwirtschaftlichen Folgen seines Handelns. „Wenn ich morgen einen preiswerten Flug für 29 Euro nach Wien bekommen kann, dann werde ich dafür nicht 500 Euro bezahlen, um ein Deflationsgespenst zu beseitigen“, sagte Wübbenhorst. Der Druck auf die Preise dürfte angesichts der lahmenden Konjunktur weiter anhalten.

Die Preiskonstanz sei derzeit allerdings auch der einzige Lichtblick. Dadurch steige das Realeinkommen bereits bei leichten Lohnerhöhungen. Die Stabilisierung der Einkommen der Verbraucher sei eindeutig positiv zu bewerten.

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