Wirtschaft : Die Deutschen essen mehr Obst und Gemüse - Bundesrepublik ist größter Importeur in Europa

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Frisches Obst und Gemüse rangiert in der Gunst der deutschen Verbraucher ganz oben - vor allem dann, wenn die Frage nach gesunder Ernährung gestellt wird. Frische und üppige Obst- und Gemüseangebote sind zudem für die Verbraucher ein entscheidender Anreiz, einen Supermarkt zu betreten - und dort auch andere Waren zu kaufen. Dies sind die Ergebnisse einer Marktumfrage, die die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) anläßlich der an diesem Donnerstag startenden "Fruit Logistica" durchführte. Die Fachmesse für Früchte- und Gemüsemarketing findet alljährlich parallel zur "Grünen Woche" in Berlin statt.

Insgesamt 15 Millionen Tonnen Obst und Gemüse wurden in Deutschland im vergangenen Jahr konsumiert, zwei Drittel waren frische Produkte, ein Drittel verarbeitete. Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 100 Kilogramm Obst und 78 Kilogramm Gemüse pro Jahr liege Deutschland damit "im vorderen Mittelfeld" der europäischen Staaten - doch mit steigender Tendenz, sagte Hans-Christoph Behr von der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP) für land- und forstwirtschaftliche Erzeugnisse (ZMP) am Montag in Berlin. Während in den meisten EU-Staaten der Frischobstverbrauch im vergangenen Jahr zurückging, legte er in der Bundesrepublik um sieben Prozent zu, bei Gemüse gab es ein Plus von drei Prozent. Insgesamt erzielte der Groß- und Einzelhandel 1999 mit Obst und Gemüse eine Umsatz von 28,8 Milliarden Mark.

Für die Hersteller im Ausland gewinnt Deutschland damit zunehmend an Bedeutung. Rund zwei Drittel des heimischen Verbrauchs werden importiert, Deutschland ist mit Abstand das wichtigste Einfuhrland für Obst und Gemüse in Europa. "Deutschland führt soviel Frischgemüse ein, wie Frankreich, Großbritannien und die Niederlande zusammen", sagte Behr. Wichtigste Gemüse-Lieferanten seien Spanien und die Niederlande, gefolgt von Italien, Frankreich und Belgien. Gleichzeitig aber haben die deutschen Erzeuger im vergangenen Jahr wieder Terrain zurückgewonnen: "Der Trend, wonach deutsche Erzeugnisse Marktanteile verlieren, ist gebrochen", sagte Behr. Zufrieden konnten die Produzenten mit den Ergebnissen aber dennoch nicht sein: Weil das vergangene Jahr den Bauern in der EU eine Rekordernte bei Obst und Gemüse bescherte und der Preiskampf im Handel an Schärfe gewinnt, mussten die Erzeuger deutliche Preisrückgänge in Kauf nehmen. Bei Pflaumen lagen die Preise um 45 Prozent unter dem Vorjahreswert, bei Süßkirschen um 30, bei Äpfeln um 15 Prozent.

Die große Bedeutung des deutschen Marktes beschert auch der "Fruit Logistica 2000" neue Rekorde. Die Zahl der Aussteller ist von 413 im Vorjahr auf 586 gestiegen, knapp die Hälfte kommt aus Deutschland. Die Schar der ausländischen Aussteller wurde zugleich noch wesentlich internationaler: Im vergangenen Jahr nahmen Vertreter aus 27 Staaten teil, in diesem sind es 42 Länder. Der Messeverband UFI kürte die Berliner Fachmesse im vergangenen Herbst deshalb auch zur Leitmesse der Frucht- und Gemüsebranche. "Die Geschichte der Fruit Logistica ist eine einzige Erfolgsstory", sage Karl-Joachim Kierey, Geschäftsführer der Messe Berlin am Montag. Um die Ausstellernachfrage zu befriedigen wurde die Hallenfläche um 67 Prozent auf mittlerweile 18 000 Quadratmeter erweitert. Zum Vergleich: 1993, als die Fruit Logistica erstmals stattfand, zählte sie 110 Teilnehmer und 4000 Quadratmeter Ausstellungsfläche.

Als zusätzliches Rahmenprogramm bietet die Messe, auf der neben den Herstellern auch der Handel, die Verpackungsindustrie und Transporteure vertreten sind, zahlreiche Diskussionsforen sowie das Ost-West-Informationszentrum, das Kontakte nach Osteuropa erleichtern soll. Partnerland der "Fruit Logistica" ist in diesem Jahr Ungarn.

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