Wirtschaft : Die Deutschen sparen weniger

FRANKFURT (MAIN) (ro). Deutschland ist in den neunziger Jahren nicht reicher geworden. Real sowie auf die Zahl der Einwohner bezogen sei das Volksvermögen Ende 1998 kaum höher gewesen als im Jahr der Wiedervereinigung, schreibt die Bundesbank in ihrem Monatsbericht Juni. "Läßt man die Wertsteigerungen unberücksichtigt, ergibt sich rechnerisch sogar ein gesamtwirtschaftlicher Vermögensverzehr von circa sechs Prozent." Ursache für die Entwicklung ist die hohe Staatsverschuldung und die schwache Investitionsneigung. Die Bundesbank spricht von einer "bedenklichen Entwicklung".

Auf rund 13 Billionen DM taxiert die Bundesbank das deutsche Volksvermögen Ende 1998. Dazu kommt noch einmal Grundvermögen in Höhe von gut 2,5 Billionen DM. In privaten Händen lag Ende 1998 ein Reinvermögen von rund 10,2 Billionen DM. Dem standen fast zwei Billionen DM an Schulden gegenüber. Dabei profitierten die privaten Sparer in den vergangenen sieben Jahren von der deutlichen Wertsteigerung ihres Vermögens. Im Durchschnitt waren das 150 Mrd. DM pro Jahr.

Die Sparquote - sie mißt den Anteil ihres Nettoeinkommens, den die Bundesbürger jedes Jahr sparen - ist allerdings weiter rückläufig. 1998 ist sie nach Angaben der Bundesbank weiter von 11,0 auf 10,5 Prozent geschrumpft und damit um zweieinhalb Prozentpunkte niedriger als 1991. Steuerliche Entlastungen, positive Effekte durch das Ende des Stellenabbaus und höhere Tarifabschlüsse seien 1998 durch die Mehrwertsteuererhöhung und steigende Konsumausgaben mehr als wettgemacht worden. Insgesamt legten die Bundesbürger 1998 vom insgesamt verfügbaren Einkommen von 2,41 Billionen gut 254 Mrd. DM auf die hohe Kante. Davon nutzen sie 118 Mrd. DM für den Erwerb von Wohneigentum. Rund ein Viertel floß in den Kauf von Aktien und Investmentanteilen. Ein Jahr zuvor war es nur ein Fünftel.

Auf der anderen Seite ging die Kreditaufnahme der Privathaushalte im vergangenen Jahr weiter zurück. Zwar wurden nach Angaben der Bundesbank mehr Konsumentenkredite aufgenommen, aber dafür reduzierten sich die Baufinanzierungen. Insgesamt standen die Privathaushalte Ende des Jahres bei Banken und Sparkassen mit 417 Mrd. DM nach 396 Mrd. DM Ende 1997 in der Kreide. Unter dem Strich hatten die Deutschen Ende 1998 nach Angaben der Bundesbank ein Geldvermögen von netto 5,265 Billionen DM, rund 300 Mrd. DM mehr als vor einem Jahr.

Zumindest im vergangenen Jahr haben die deutschen Unternehmen die Aussichten für die Konjunktur offenbar wieder etwas positiver eingeschätzt. Gut 185 Mrd. DM und damit 53 Mrd. DM mehr als ein Jahr zuvor steckten sie in die Sachvermögensbildung. In Ostdeutschland allerdings gingen die Investitionen nach Angaben der Bundesbank weiter kontinuierlich zurück. Rund 140 Mrd. DM investierten deutsche Unternehmen 1998 im Ausland. Das waren zwei Drittel mehr als 1997. Allerdings entfielen allein zwei Fünftel dieser Summe auf den Zusammenschluß von Daimler und Chrysler.

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