Wirtschaft : „Die Dollar-Zinsen laufen, und die Euro-Zinsen bleiben stehen“

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Der EuroKurs ist gefallen – ist die Verfassungskrise der EU die beste Nachricht seit langem für die deutsche Exportwirtschaft?

Das könnte man fast so sehen. Aber der Ölpreis bleibt hoch oder steigt, was die Importseite belastet. Ich bin Optimist, ich sage, der Saldo liegt zugunsten der Exportwirtschaft. Wir haben fünf Prozent Exportwachstum prognostiziert, und das werden wir jetzt auf jeden Fall erreichen oder übertreffen.

Wie sehen Sie die Euro-Kursentwicklung?

Das Szenario von 1,40 Dollar für den Euro ist erst einmal vom Tisch. Der Euro ist wie ein Stein nach unten gegangen. Nach unserer Einschätzung geht es bis 1,18 weiter. Wir werden für mehrere Monate eine Bandbreite von 1,18 bis 1,28 haben. Ob es sich dann wieder dreht, kann man noch nicht abschätzen. Auf den Märkten halten sich immer gewisse Storys. Die alte Story war die von den 1,40, aber die ist vorbei. Die neue dürfte dem nahe kommen, was ich gesagt habe.

Aber es gibt doch realwirtschaftliche Grundlagen für die Kursentwicklung.

Natürlich. Die Dollar-Zinsen laufen, und die Euro-Zinsen bleiben stehen. Das heißt, der Renditevorsprung des Dollar wird einfach gravierend. Und die Wachstumsaussichten im Euro-Raum sind weiterhin nicht so berauschend.

Finanzminister Eichel und Bundesbankchef Weber sollen sich schon mit dem Ende des Euro beschäftigt haben.

Vielleicht hat das stattgefunden. Der Verteidigungsminister denkt auch einmal im Jahr mit einem der Generäle darüber nach, was passiert, wenn Deutschland einem Atomschlag ausgeliefert wäre. Wenn dann einer schreibt, der Verteidigungsminister befürchtet einen Atomschlag, ist das Nonsens. Das Undenkbare denken – in diese Schublade gehört das.

Das Interview führte Moritz Döbler.

Anton Börner (50),

Präsident des Bundesverbands des Groß- und Außenhandels, ist Inhaber eines Sanitär-

großhandels in Ingolstadt. In den 80er Jahren hat er Devisen in New York gehandelt.

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