Wirtschaft : Die Eitelkeiten der Telekommanager

CORINNA VISSER

Fusionen und Allianzen werden von ehrgeizigen Managern gemacht. Abgesehen davon, daß sie in der Regel aus wirtschaftlichen Erwägungen beschlossen werden, befriedigen sie das ausgeprägte Geltungsbedürfnis der Spitzenmanager. In immer größeren Unternehmen rechnen sie selbst mit mehr Macht und Einfluß. Andererseits aber haben die persönlichen Empfindlichkeiten der Bosse zunehmend Einfluß aufs Geschäft. Offenbar persönlich beleidigt war der Vorstandschef der France Télécom, Michel Bon, als die Deutsche Telekom vor einigen Wochen ohne seine Zustimmung mit Telecom Italia verhandelte. Schließlich waren France Télécom und die Deutsche Telekom Partner. Beide halten einen zweiprozentigen Anteil am jeweils anderen Unternehmen. Telekom-Chef Ron Sommer konnte nicht damit rechnen, daß France Télécom sich über die Fusion mit den Italienern freuen würde. Überrascht aber zeigte er sich darüber, daß Bon das Ganze als Vertrauensbruch wertete. Auch nach dem Platzen der Sommerschen Italienpläne wollte Bon die alten Beziehungen nicht wieder pflegen.

Kein Wunder also, daß an den Börsen schnell das Gerücht aufkam, es sei France Télécom gewesen, die Sommer am Freitag einen Strich durch seine Emissionsrechnung gemacht habe. Am Freitag abend waren so viele Telekomaktien angeboten worden, daß der Xetra-Richtkurs innerhalb kürzester Zeit um mehr als zwei Euro abstürzte. Das drückte den Ausgabepreis der jungen T-Aktie - und minderte den Ertrag aus der Emission für eine weitere Expansion. France Télécom aber gehört zu dem Kreis derer, die genügend Telekom-Aktien besitzen, um den Kurs tatsächlich drücken zu können. Wenn es so war, dann hat die Verstimmung des Michel Bon die Deutsche Telekom viel Geld gekostet. Das sollte Ron Sommer nicht vergessen, wenn er nun neue Partner sucht.

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