Wirtschaft : Die Feste-Macher

Es ist nicht leicht, in der Branche einen Ausbildungsplatz zu ergattern. Hat man das aber geschafft und den Abschluss in der Tasche, sind die Chancen auf einen Job gut

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Das Telefon von Janosch Vogdt stand gerade in der Weihnachtszeit selten still. Von einem Kreuzberger Loft aus organisierte seine Agentur Mihatsch und Vogdt neben anderen Events eine Weihnachtsfeier für einen ausgewählten Kundenkreis der Landesbank Berlin. Mit üblichem Catering und Musik war es dabei längst nicht getan. Die 1000 Gäste konnten am Veranstaltungsort in Werder ihren eigenen Weihnachtsbaum schlagen. Es gab Spiele für Kinder und Gänsebraten in einem großen Festzelt.

Firmenevents und Filmpremieren sind das Kerngeschäft der Agentur mit sieben Mitarbeitern. „Events lösen zunehmend die klassische Werbung ab. Sie sind für Firmen ein Marketinginstrument und ein Mittel zur Selbstdarstellung“, sagt Janosch Vogdt. Eine Veranstaltung müsse zum Image der Firma passen. Um das zu gewährleisten, erstellt der 35-Jährige mit seinen Kollegen die passenden Konzepte und sorgt für den reibungslosen Ablauf.

Berlin ist als Haupt- und Kulturstadt mit seinen zahlreichen Events ein spannender Ort für Veranstaltungsfachleute. Zahlreiche Lobbyistenverbände und Firmen präsentieren sich hier, es gibt jede Menge Events und Messen. Und auch bei Filmpremieren kann Berlin problemlos mit New York oder London mithalten, sagt Janosch Vogdt.

Es gibt hier aber nicht nur viel Arbeit für Veranstaltungsexperten und entsprechend viele Agenturen, sondern auch viele Interessenten für Stellen und Ausbildungen. Die Konkurrenz ist groß. Allein in Berlin gibt es zur Zeit 550 Azubis, die Veranstaltungskaufmann/frau werden. Seit zehn Jahren ist die Ausbildung von der Industrie- und Handelskammer geprüft.

DER JOB

Mit der Planung für die Weihnachtsevents beginnt die Agentur meist kurz nach den Sommerferien, im August oder September. „Das Wichtigste ist dann, einen Ort und ein Datum zu fixieren, denn die Auswahl an Locations für Großveranstaltungen ist begrenzt und die Wochen vor Weihnachten sind sehr gut gebucht“, sagt Janosch Vogdt. Viele Fragen müssen mit dem Kunden geklärt werden: Zu wann soll man einladen? Was soll es zu essen geben: ein Buffet oder ein mehrgängiges Dinner? Wie soll die Dekoration aussehen: grün-rot-festlich oder weiß-silber-reduziert? Soll eine Band spielen oder ein DJ auflegen? Sind Reden geplant? Zudem muss Janosch Vogdt abschätzen, welche gesetzlichen Vorschriften zu beachten sind, zum Beispiel ob Sanitäter vor Ort sein müssen und welche Brandschutzverordnungen greifen.

Glamour und Vielseitigkeit, das reizt viele am Veranstaltungsbusiness. Und tatsächlich hat Janosch Vogdt bei „seinen“ Filmpremieren schon den roten Teppich für Stars wie Halle Berry oder Tom Cruise ausgerollt. Vor allem liebt er an seinem Job die Abwechslung. „Ich treffe sehr unterschiedliche Menschen und habe es immer wieder mit unvorhersehbaren Situationen zu tun“, sagt er. Etwa dann, wenn wesentlich mehr Menschen zu einem Event kommen als erwartet. Werden die Getränke dann knapp, muss improvisiert werden. Dann schickt er schon mal zwei Praktikanten zur Tankstelle, um für Nachschub zu sorgen.

Der Verdienst von Veranstaltungskaufleuten hängt vom Arbeitgeber und der Region ab. Wer etwa bei einer Kommune tätig ist und nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes bezahlt wird, erhält laut Arbeitsagentur bei einer Eingruppierung in die Entgeltgruppe 5, Stufe 3 bis Stufe 6, ein Monatsentgelt von 2167 bis knapp 2400 Euro brutto.

DIE AUSBILDUNG

Wer in der Branche mitmischen will, sollte organisatorisches Talent mitbringen, selbstständig und eigenverantwortlich arbeiten und teamfähig sein. Rechtliche und kaufmännische Grundlagen werden in der Ausbildung vermittelt. „Die Zeiten, in denen man als Quereinsteiger in der Branche einsteigen kann, seien definitiv vorbei, sagt der Präsident des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft (bdv), Jens Michow.

Die dreijährige Ausbildung richtet sich an Leute, die schnell in die Praxis gehen wollen. Bewerber brauchen mindestens den Realschulabschluss. Seine Chancen verbessert, wer Erfahrungen als Host oder Hostess gesammelt, in der Gastronomie gejobbt oder Praktika absolviert hat.

Nach der Ausbildung kann man nicht nur in Veranstaltungsagenturen arbeiten. „Mit dem Rüstzeug, das dort vermittelt wird, kann man ebenso für öffentliche Einrichtungen, etwa im Stadtmarketing oder in Kultur- und Jugendämtern, tätig sein, wie in Agenturen oder bei Veranstaltern von Messen oder Konzerten“, sagt IHK-Sprecher Bernhard Schodrowski.

DIE CHANCEN

Die Ausbildungsplätze sind sehr begehrt. So gehen bei der Messe Berlin für die zwei bis vier Ausbildungsstellen im Jahr 500 bis 800 Bewerbungen ein. Wer aber einen Platz ergattert und den Abschluss geschafft hat, hat auch gute Chancen auf einen Job. Die IHK geht davon aus, dass die Berliner Ausbildungsbetriebe kaum über Bedarf ausbilden und die meisten der 550 Azubis übernommen werden. Auch die Messe übernimmt in der Regel ihre Azubis.

DAS STUDIUM

Wer in einer Agentur eine Position in der mittleren oder oberen Führungsebene anstrebt und gern selbstständig lernt, für den bietet sich ein Studium an. Es gibt zahlreiche private Schulen, die, mit unterschiedlichen Schwerpunkten, zum Eventmanager ausbilden. Studiert man etwa an der Best Sabel-Hochschule in Berlin „Internationaler Tourismus & Eventmanagement“ hat man nach zwei Jahren den Abschluss in der Tasche, nach drei Jahren den Bachelor. Demnächst soll auch ein Master angeboten werden.

Doch das Studium kostet. Monatlich muss man dafür etwa 270 Euro zahlen. Für Bachelor-Studiengänge ist schnell das Doppelte fällig. Dafür bieten die Schulen oft einen relativ guten Betreuungsschlüssel, eigene Bibliotheken und moderne Computer-Plätze.

Bevor sich junge Leute für eine Schule entscheiden, sollten sie sehr genau prüfen, wie qualifiziert die Lehrer und Dozenten sind, ob Weiterbildung angeboten wird und wie die Schule ausgestattet ist, rät Jens Michow.

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