Wirtschaft : Die Flut gefährdet Chinas Wirtschaft

PEKING (ang/HB).Der Druck auf Chinas Währung nimmt zu.Seit Tagen schon ziehen sich chinesische Händler aus dem Yuan zurück und kaufen Dollar.Ähnliches ist beim Hongkong-Dollar zu beobachten, gegen dessen Bindung an den US-Dollar internationale Anleger spekulieren.Wie lange China beide Währungen stabil halten kann, hängt entscheidend vom japanischen Yen ab, der am vergangenen Freitag weiter an Wert verlor.Die Position Chinas wird um so schwieriger, je mehr Währungen in Südostasien sich dem Abwertungswettlauf anschließen.Insofern gilt die Abwertung des Dong in Vietnam als weiteres Mosaiksteinchen, das die Richtung vorgibt.An den Finanzmärkten wird befürchtet: Wenn auch China bald abwerten würde, könnte dies nicht nur eine neue Währungskrise in Asien auslösen.Auch viele Schwellenwährungen in Osteuropa, Afrika und Lateinamerika gerieten unter Abwertungsdruck.

Mit Spannung werden daher die nächsten Ankündigungen von Premier Zhu Rongji erwartet, der in einer Woche auf einem Treffen von Parteiführern Stellung zur Wirtschafts- und Währungspolitik nehmen soll.Zhu Rongji wird vor allem erklären müssen, ob er weiter bei seinem Versprechen bleiben will, den chinesischen Yuan nicht abzuwerten und ihn sich damit als Stabilitätsanker in Asien zu bewahren.Die Frage ist zudem, welche Chancen noch für das Erreichen des Wachstumsziels von 8 Prozent bestehen.Eine zusätzliche Gefahr sind die ökonomischen Auswirkungen der anhaltenden Überschwemmungen in Zentralchina.

Zhu Rongji habe das Thema Abwertung zu einem Medientabu gemacht, heißt es in Peking, aber interne Diskussionen zugelassen.Denn auch in China scheint es eine wachsende Lobby für eine Yuan-Abwertung zu geben.Insbesondere die großen Handelsfirmen und die Führer der besonders exportabhängigen Küstenprovinzen üben entsprechenden Druck aus.Das Forschungszentrum der Staatlichen Planungskommission hat bereits gewarnt, daß Peking zur Abwertung gezwungen würde, falls das Exportwachstum auf Null zugehe oder gar negativ werde.

Die Zuversicht in die Standfestigkeit der Chinesen schwindet.Einheimische Sparer versuchen, sich gegen eine Abwertung abzusichern.Am Schwarzmarkt fiel daher der Yuan deutlich unter den offiziellen Kurs.Die Schwarzmarktrate des Yuans stieg auf 9,1 - im Gegensatz zu der offiziellen Rate von 8,2 pro Dollar.Auch internationale Investoren in der Volksrepublik sichern sich gegen eine Abwertung ab, indem sie bei lokalen Banken Kredite in der Landeswährung aufnehmen und diese in harte Währung umtauschen.

Das Exportwachstum der Volksrepublik fiel in der ersten Hälfte des Jahres mit 7,6 Prozent niedriger aus als im vergangenen Jahr.Im Gesamtjahr 1998 werden die Exporte offiziellen Schätzungen zufolge nur um fünf Prozent wachsen.Bis jetzt sind die Exporte verarbeiteter Güter aus China in die USA und Europa konkurrenzfähig, doch die Konkurrenz aus Südostasien wird größer.

In Hongkong führten die Spekulationen über eine Yuan-Abwertung zu einer weiteren Attacke gegen den Hongkong-Dollar, da im Falle einer Yuan-Abwertung auch die Hongkonger Währung unter starken Druck geraten würde.Die Reaktion Hongkongs, Währungsreserven zur Stützung einzusetzen statt nur die Zinsen hochzuschrauben, wurde als Zeichen der Nervosität gewertet.Chinas Zentralbankchef Dai Xianglong bekräftigte in einem Telefongespräch mit Hongkongs Finanzsekretär, daß Peking nicht abwerten werde.

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