Wirtschaft : Die Freitags-Fusion: Viag plus Alusuisse

MÜNCHEN (tmh).Auch der Freitag hatte seine Nachricht von einer neuen Fusion.Die Mischkonzerne Viag AG, München, und Alusuisse Lonza Group (Algroup) AG, Zürich, wollen sich zusammenschließen.Damit sind tagelange Spekulationen zu Ende."Dieser Zusammenschluß ist ein Quantensprung für unsere industriellen Aktivitäten", sagte Viag-Chef Wilhelm Simson, der Vorstandsvorsitzender des fusionierten Konzerns sein wird.

Durch den "Zusammenschluß unter Gleichen", der im August 1999 abgeschlossen sein soll, entstünde vorerst ein neuer Riese mit 53 Mrd.DM Umsatz, 1,6 Mrd.DM Jahresüberschuß und rund 42 Mrd.DM Marktkapitalisierung.Gemessen am Umsatz von gut 41 Mrd.DM sind die Bayern der Seniorpartner.Unabhängig von der Fusion will Simson Unternehmensteile inklusive der Logistik-Sparte mit rund 15 Mrd.DM Umsatz verkaufen.Zum Gewinn steuern die Schweizer rund 500 Mill.DM bei.Damit sind sie nicht nur der Viag-Wunschpartner, sondern - gemessen an der Umsatzrendite - der profitablere Konzern.Für das fusionierte Unternehmen liegt diese Quote bei acht Prozent.Binnen fünf Jahren erwartet Simson 13 Prozent Umsatzrendite.

Wenn die jeweiligen Aktionäre dem zur Fusion beabsichtigten Aktientausch nach dem Vorbild DaimlerChrysler zustimmen, werden binnen drei Jahren rund 2500 der insgesamt 127 000 Arbeitsplätze abgebaut.Sie würden "so weit wie möglich" sozial verträglich gestrichen."Dieser Deal wird nicht auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen", sagte Simson.Der Fokus liege nicht auf dem Stellenabbau, sondern auf Wachstum.

Während die Börse skeptisch mit sinkenden Viag-Kursen reagierte, stellte Simson die Zukunft der Fusionspartner positiv dar: Vor allem die gleichen Management-Philosophien böten eine "einzigartige Chance".Das Konglomerat, das einen neuen Firmennamen bekommen soll, würde in Deutschland inklusive der Viag-Logistik zum sechstgrößten Industriekonzern avancieren.Hauptsitz des fusionierten Konzerns soll München sein.Der Zusammenschluß verbessert in den bislang als Schwachstelle erachteten Industriebereichen die Marktposition der Viag "mit einem Raketenschub", sagte Simson.

In der Verpackungsindustrie erlangt das Duo eine weltweit führende Position bei Behältern für Pharmazeutika, Kosmetika, Getränke und Lebensmittel.Im Aluminiummarkt entsteht die globale Nummer vier.Nur in dieser Sparte kann die Algroup mit dem Viag-Umsatz mithalten.In der Chemie kommen die Aktivitäten der Viag-Tochter SKW Trostberg mit dem Feinchemie-Geschäft der Algroup zusammen, was den fünftgrößten Spezialchemiekonzern der Welt ergibt.Es entstehe ein starker und ausgewogener Unternehmensverbund mit einer in etwa gleichen Ertragskraft von Energie und Telekommunikation auf der einen sowie Industrie-Aktivitäten auf der anderen Seite, stellte Simson fest.In der Vergangenheit war der Viag oft ihre Abhängigkeit von Stromgewinnen angekreidet worden.

Der Konzernchef rechnet binnen drei Jahren mit einer jährlichen Kosteneinsparung von 570 Mill.DM.Die Fusion kostet einmalig 400 Mill.DM.Neben den Aufsichtsräten beider Partner müssen im Mai 1999 auch die Hauptversammlungen ihren Segen geben.Zudem müssen 90 Prozent der Aktionäre ihre Altaktien in Papiere des neuen Konzerns tauschen.Die wichtigen Anteilseigner haben bereits Einverständnis signalisiert.

Viag-Aktionäre können ein Papier steuerfrei in je zehn Aktien des neuen Konzerns tauschen.Algroup-Aktionäre bekommen 21,7 neue für eine alte Aktie.Wegen der größeren Zahl Viag-Aktien werden die derzeitigen Viag-Aktionäre zwei Drittel der Anteile des neuen Konzerns halten.Die Viag wird dabei auf die neue Gesellschaft verschmolzen, die heutige Algroup als Tochter angeschlossen.Bei dieser Methode fließe kein Bargeld und die Finanzkraft des neuen Konzerns werde nicht belastet, betonte Simson.Die neue Aktie, die wie das Viag-Papier zu den 30 Dax-Werten gehört, soll zunächst an den deutschen Börsen, in der Schweiz und in London notiert werden.Außerdem ist das Listing an der New Yorker Börse geplant.

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