Wirtschaft : Die Geschäfte laufen weiter

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Für die weltweit 22 Millionen Kunden von Worldcom soll die Pleite des Konzerns ohne Folgen bleiben. Dies ist zumindest der Wunsch von Vorstandschef John Sidgmore, der am Montag betonte, das Geschäft werde weiterlaufen wie bisher. Ein technischer Kollaps des Telefon- und Internetgiganten hätte katastrophale Auswirkungen: Worldcom versorgt nicht nur in den USA Millionen von Geschäfts- und Privatkunden mit einem Kommunikationsdienstleistungs-Paket für Datenverkehr, Internet und Orts- und Fernverbindungen. Auch in Deutschland ist das Unternehmen mit rund 1300 Beschäftigten einer der größten Anbieter von Kommunikations-Infrastruktur. „Die Insolvenz des Konzerns wird keine Folgen für uns haben“, versicherte am Montag eine Sprecherin der deutschen Niederlassung.

Worldcom knüpft mit seinem UUnet Internet Netzwerk – die Tochter UUnet wurde 2001 mit Worldcom verschmolzen – Verbindungen zwischen Geschäftskunden, vor allem aus dem Mittelstand. Insgesamt zählt die Kundendatei 30000 n. Im vergangenen Jahr erreichte das Unternehmen hier zu Lande rund eine halbe Milliarde Euro Umsatz. „Valide Bilanzen gibt es allerdings im Moment nicht“, heißt es in der Frankfurter Deutschland-Zentrale. Das eigene deutsche Glasfasernetz in einer Länge von 3100 Kilometern (weltweit: 120000 Kilometer) deckt mit 90 Internet-Zugangspunkten laut Worldcom-Informationen alle wichtigen Wirtschaftsregionen des Landes ab. In Frankfurt (Main) betreibt Worldcom seit 1995 ein eigenes Citynetz, in Düsseldorf und Hamburg gingen 1999 zwei weitere Stadtnetze in Betrieb.

„Technische Einschränkungen sollte es trotz der Insolvenz nicht geben“, sagt die Worldcom-Sprecherin. Auch ein Stellenabbau größeren Stils stehe nicht zu befürchten. „Wir sind schon sehr schlank aufgestellt.“ Worldcom hatte nach Bekanntwerden seiner Schieflage angekündigt, weltweit 17000 Arbeitsplätze zu streichen. Von den 8300 Mitarbeitern in Europa müssen rund 450 um ihren Job fürchten. „Nur ein sehr kleiner Teil davon kommt aus Deutschland“, sagt die Unternehmenssprecherin.

Nach dem amerikanischen Insolvenzrecht könne Worldcom sein Geschäft noch jahrelang weiter betreiben, sagt Analyst Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin. „Die Kunden müssen nicht befürchten, dass ihnen morgen die Leitungen gekappt werden“, sagt Hallmann. Doch selbst wenn das Glasfasernetz von Worldcom bald abgeschaltet würde – eine Vielzahl von anderen Gesellschaften stehen bereit, die Worldcom-Kunden sofort zu übernehmen. „Im Markt gibt es erhebliche Überkapazitäten“, sagt Hallmann.

Langfristig, glaubt Hallmann, sei auf dem deutschen Markt neben der Telekom Platz für vier bis fünf Anbieter. Für die vielen „Garagenfirmen“, die seit der Marktöffnung vor allem Ferngespräche anbieten, sieht er wenig Chancen. „Für 200 kleine Firmen ist am Markt kein Platz“, sagt Hallmann. Der Markt brauche eine kleine Zahl von stabilen Teilnehmern, die in eigene Netze investieren oder Netze selbst kontrollieren. Für die bedeutet die Worldcom-Pleite erst einmal eine Atempause. mot/vis

Mehr Informationen unter:

www.worldcom.com/de

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