Wirtschaft : Die Hitze treibt die Nachfrage

Verbraucher meiden Dosen – Getränkehersteller kommen mit dem Füllen von Mehrwegflaschen nicht nach

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Berlin (anw/msh). Der heiße Sommer führt bei den Getränkeherstellern zu einem Absatzboom. Sowohl alkoholfreie Getränke wie Wasser und Softdrinks als auch Bier legten nach aktuellen Zahlen für den Juni deutlich zu. Besonders die Abfüller von Getränken in Mehrwegflaschen konnten die Nachfrage nicht mehr befriedigen. Zwar seien einzelne Marken ausverkauft, einen Engpass bei der Versorgung gebe es aber noch nicht.

Probleme bereitet den Abfüllern das seit Beginn des Jahres geltende Pflichtpfand auf Einwegflaschen und Dosen. Trotz der Hitze sind diese Verpackungen bei den durstigen Verbrauchern nicht gefragt. Viele Hersteller können ihre Verluste aus dem wegbrechenden Einweggeschäft nicht durch eine Umstellung auf Mehrweg kompensieren. Nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung alkoholfreie Getränke (WAFG) stieg der Absatz von Wasser im Juni um elf Prozent und von Fruchtsäften sogar um 14,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Der Absatz von Erfrischungsgetränken mit Kohlensäure brach wegen des Dosenpfands aber um 6,6 Prozent ein.

Auch bei Bier sorgt die Hitze für große Nachfrage. Allein im Juni ist der Absatz nach Angaben des Deutschen Brauerbunds um 9,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Für den Juli lägen noch keine Zahlen vor. In einzelnen Fällen könne es sogar zu Engpässen kommen, so dass Kunden ihr Lieblingsbier nicht erhalten, sagte der Sprecher des Brauerbunds, Erich Dederichs, dem Tagesspiegel. Die „Grundversorgung“ sei aber gesichert. „Es wird immer Bier geben.“ Bei Bedarf würden die Unternehmen auch rund um die Uhr und am Wochenende produzieren, um die Biernachfrage zu befriedigen.

In den Monaten Januar bis Mai hatte die Branche noch ein deutliches Minus verzeichnet. Nach der Einführung des Dosenpfands war der Bierabsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast acht Prozent geschrumpft. Dank des heißen Juni beläuft sich der Rückgang der Verkaufszahlen im ersten Halbjahr nun nur noch auf 4,1 Prozent. „Ausgeglichen haben wir die Verluste durch das Dosenpfand damit aber noch nicht“, sagt Dederichs. Er hält es für unwahrscheinlich, dass einzelne Brauereien, die um ihre Existenz kämpfen, durch den Sommer gerettet werden: „Wer ernste Probleme hat, kann sich langfristig nicht aufs Wetter verlassen.“

Der Getränkekonzern Brau und Brunnen hat wegen der Hitze im Juli bei alkoholfreien Getränken „mehr als 20 Prozent“ mehr umgesetzt als im Vorjahresmonat. Bei Bier sei der Anstieg nicht ganz so stark, lag aber ebenfalls im zweistelligen Bereich, sagte Udo Dewies, Sprecher von Brau und Brunnen. Der Konzern stellt Softdrinks wie Spreequell und Vita Cola her und vertreibt eine Reihe von Biermarken, darunter Jever, Berliner Pilsner und Sion Kölsch. Laut Dewies könne das hitzebedingte Umsatzplus die Ausfälle durch das Dosenpfand aber nicht kompensieren: „Da müsste es schon bis Dezember so heiß bleiben“, sagte er. Bis zur Einführung des Pflichtpfandes machte Brau und Brunnen fast ein Fünftel seines Umsatzes mit Getränken in Einwegverpackungen. Inzwischen tendiere dieser Markt „gegen Null“, so Dewies. Vor allem die Produktion von Handelsmarken für Discounter und Supermärkte sei praktisch zum Erliegen gekommen, weil der Handel Dosen und Einwegflaschen fast komplett ausgelistet hat.

Zu schaffen machen den Getränkeherstellern die knapp werdenden Mehrwegflaschen. Trotz der Hitze meiden die Verbraucher nach wie vor Einwegverpackungen. „Wir holen die Pfandflaschen sofort im Handel ab, sobald sie frei sind – auch wenn die Lkws nur halb voll werden“, sagt Udo Franke von der Holsten Gruppe. „Außerdem tauschen wir Flaschen innerhalb des Konzerns aus.“ Veltins spricht sogar schon von „ernsten Engpässen“ bei Flaschen und Kästen. „Wir könnten mehr Mehrweg in den Markt bringen, wenn ausreichend Leergut vorhanden wäre“, sagte Ernst Kammerinke vom Getränkeverband WAFG dem Tagesspiegel. Er rechnet im laufenden Jahr mit einem Absatzanstieg von 1,0 bis 1,5 Prozent. „Bei normalen Verhältnissen ohne Dosenpfand hätten wir ein zweistelliges Absatzwachstum erreicht“, sagt Kammerinke.

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