Wirtschaft : Die Investmentbanken stehen schon als Gewinner fest

Der Kampf um Aventis ist nur das jüngste Beispiel – Der Markt für Übernahmen und Fusionen wächst stürmisch

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Keiner weiß, wie die Übernahmeschlacht um den deutschfranzösischen Pharmakonzern Aventis ausgehen wird. Ob der französische Konkurrent Sanofi-Synthélabo mit seinem 46 Millionen Euro schweren Angebot einer feindlichen Übernahme am Ende Erfolg hat, wird man wohl erst in Monaten sehen. Mit hinreichender Sicherheit lässt sich derzeit nur eines voraussagen: Das Übernahme-Drama bringt einen wahren Goldregen für die Investmentbanken.

Selbst der Schweizer Pharma-Riese Novartis hat bereits zwei Beraterbanken engagiert. Im Gespräch sind die Credit-Suisse-Tochter First Boston und das Investmenthaus Lazard LLC. Dabei steht Novartis nicht einmal im Zentrum des französisch-deutschen Übernahmepokers. Das Unternehmen wird allerdings als möglicher „weißer Ritter“ gehandelt. Mit Hilfe der Banken könnte Novartis versuchen, Aventis einvernehmlich zu übernehmen, um so die feindliche Übernahme durch Sanofi zu vereiteln.

Diese Investmenthäuser kommen somit zusätzlich zu den ohnehin schon angeheuerten Banken zum Einsatz. Für Sanofi arbeiten gleich drei: BNP Paribas, Merrill Lynch&Co und die französische Bank Villin Conseil. Aventis wollte dahinter wohl nicht zurückbleiben und hat ebenfalls drei Institute ins Rennen geschickt: Goldman Sachs, Morgan Stanley und NM Rothschild&Sons.

In der Tat ist praktisch jedes der großen europäischen Bankhäuser, das auf Übernahmen und Fusionen spezialisiert ist, direkt oder indirekt an der Übernahmeschlacht beteiligt. Und jedes von ihnen kann sich Hoffnungen machen, Honorare in zweistelliger Millionenhöhe einzufahren. Obwohl ein Ergebnis des Übernahmeversuchs nicht vor Mai erwartet wird, steht die Höhe der Einnahmen für die Investmentbanker schon heute fest: Die drei Beraterbanken auf der Seite Sanofis können mit Honoraren von insgesamt mehr als 80 Millionen Euro rechnen. Dies ergab eine Schätzung des Marktforschungsunternehmens Dealogic. Und es gibt nur wenige Banken, die sich noch nicht ihren Anteil am Gebührenkuchen sichern konnten. Die US-Investmentbank Lehman Brothers scheint zum Beispiel noch ohne Mandat zu sein. Ein Sprecher des Finanzhauses lehnte ein Stellungnahme ab.

Die Schlacht der Pharmafirmen ist nur einer von vielen Schauplätzen für Übernahmen und Fusionen in diesem Jahr. Der Markt könnte im weiteren Verlauf des Jahres rasant an Fahrt gewinnen – sehr zur Freude der Investmentbanken auf beiden Seiten des Atlantiks. Auch die Investmentberater von Cingular Wireless haben für die erfolgreiche Übernahme von AT&T Wireless insgesamt 35 bis 40 Millionen Dollar an Honoraren bekommen, schätzt Dealogic. Das Bankhaus Lehman Brothers konnte dabei gleich drei Mal Kasse machen: Als Berater der beiden Cingular-Mutterunternehmen Bell South und SBC Communications sowie als Beraterbank für Cingular selbst.

Dass der Markt wieder auflebt, zeigt nicht zuletzt das Angebot von Comcast für Walt Disney. Nach einer zweijährigen Flaute hat sich das weltweite Gesamtvolumen der Übernahmen und Fusionen in den ersten Monaten dieses Jahres bereits auf 471 Milliarden Dollar erhöht, verglichen mit gerade einmal 174 Milliarden Dollar im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Angeheizt durch das Sanofi-Angebot für Aventis, wuchs allein der europäische Übernahmemarkt im Verlauf dieses Jahres schon auf 164 Milliarden Dollar – nur 61 Milliarden waren es im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. Den Marktforschern von Dealogic zufolge, war der vergangene Februar der betriebsamste Monat für Unternehmensübernahmen seit Oktober 2000. Derek Chambers, ein Bankanalyst von HSBC in London, sagt für dieses Jahr weltweite Übernahmeaktivitäten im Gesamtwert von zwei Billionen Dollar voraus. Die Honorar-Einkünfte der Beraterbanken dürften in gleichem Zuge um 50 bis 60 Prozent zulegen.

Durch die Honorar-Forderungen der Investmentbanker könnte die Übernahmewelle für die Unternehmen zu einem teuren Unterfangen werden. Einige der Banken haben die Verhandlungsführer dazu bewegt, die Prämien in gewohnter üppiger Höhe zu berechnen. „Für die Aktionäre werden die Auswirkungen auf die Kostenseite sehr undurchsichtig sein, weil die Honorare der Investmentbanker als Transaktionskosten verbucht werden“, sagt Imran Gulamhuseinwala, ein Berater für den Londoner Finanzdienstleister Mercer Oliver Wyman.

Das Übernahmeangebot von Sanofi ist besonders kompliziert, weil hinter dem Übernahmekandidaten Aventis drei Großaktionäre stehen. Jeder von ihnen bringt seine eigene Beraterbank mit ins Spiel. Für Kuwait Petroleum, mit 13,5 Prozent an Aventis beteiligt, sind es die Citigroup und USB. Der französische Mineralölkonzern Total, der knapp ein Viertel der Aventis-Anteile besitzt, hat Investmentberater von HSBS angeheuert. Und der Kosmetikhersteller L’Oreal, 19,5-prozentiger Eigentümer von Aventis, engagierte das Investmentbankhaus JPMorgan.

Die Texte wurden übersetzt und gekürzt von Christian Frobenius (Outsourcing), Svenja Weidenfeld (Mao), Matthias Petermann (Belgien), Karen Wientgen (Otto) und Tina Specht (Investmentbanken).

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