Wirtschaft : Die konjunkturelle Flaute macht den Sparkassen in Ost-Deutschland zu schaffen

jhw

Die ostdeutschen Sparkassen leiden unter der schwachen Konjunktur. Ihr Geschäft entwickelte sich in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres verhaltener als in den Vorjahren, wie der Geschäftsführende Präsident des Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverbandes (OSGV), Rainer Voigt, am Mittwoch in Berlin sagte. Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit und eine verhaltene Tarif- und Lohnentwicklung wirkten sich verstärkt auf die Einkommensentwicklung der privaten Haushalte aus.

Die Sparkassen verstünden sich als "tragende Säule" der deutschen Kreditwirtschaft, sagte Voigt. Nicht "die Jagd nach hoher Dividende als Global Player" stehe in ihrem Interesse, sondern "das Gemeinwohl der Region". Doch bestehe "zweifelsfrei Bedarf, Strukturen zu überdenken". OSGV-Geschäftsführer Claus-Friedrich Holtmann sagte, für die Sparkassen komme es nicht in Frage, nach dem Vorbild der Deutschen Bank das verhältnismäßig teure Filialgeschäft auszugliedern. Gleichwohl werde es eine gewisse Konzentration geben, und es sei ungewiss, wie viele Filialen überlebten.

Angesichts des konjunkturellen Umfelds ging die Bilanzsumme der 72 Mitgliedssparkassen von Januar bis Juni um 2,2 Prozent oder 3,9 Mrd. DM auf 172,1 Mrd. DM zurück. Schon im Vorjahr war die Bilanzsumme um 1,2 Prozent gefallen. Die Kundeneinlagen verringerten sich um 2,3 Mrd. DM auf 135,5 Mrd. DM. Gründe hierfür: die geringere Sparfähigkeit der privaten Haushalte und Umschichtungen auf solche Anlageformen, die nicht in der Bilanz der Sparkassen auftauchen - etwa Investmentanteile und Aktien. Den größten Rückgang bei Kundeneinlagen hatten erneut die Gelder auf Girokonten zu verzeichnen.

Wachstumsimpulse im Kreditgeschäft gingen besonders von Privatpersonen aus. Die positive Tendenz bei der Vergabe von Wohnungsbau-Krediten an private Haushalte setzte sich fort. Sie legten um 574 Mill. DM auf 19,9 Mrd. DM zu. Der Trend zum Wohneigentum zeigt sich in der deutlich steigenden Wohneigentumsquote in Ostdeutschland, die binnen sechs Jahren von 26 auf nun 33 Prozent stieg. Im Vergleich dazu lag die Wohneigentumsquote in West-Deutschland bei knapp 42 Prozent. Voigt verwies auf eine Untersuchung des Instituts für Marktforschung Leipzig, derzufolge ein Drittel der Familien und Singles in Ost-deutschland Mitte des Jahres Kredite aufgenommen hatten. Mehr als die Hälfte dieser Kredite dienten Bau oder Modernisierung der Wohnung oder des Hauses, ein gutes Drittel dem Kauf eines Autos und gut sieben Prozent dem Kauf einer Wohnung, eines Hauses oder eines Grundstücks.

Für das gesamte Jahr rechnen die Institute mit einer leichten Belebung der Geschäftstätigkeit. Das Betriebsergebis soll laut Prognose auf etwa 1,17 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme (Vorjahr: 1,25 Prozent) zurückgehen. Zur von einigen Ländern angestrebten höheren Gewinnausschüttung sagte Voigt, nach der Aufbauphase bestehe jetzt durchaus die Chance, mehr Geld auszuschütten.

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