Wirtschaft : Die Krise der Partei lässt den Finanzplatz kalt - gelassene Reaktion an der Börse

Am Finanzplatz Frankfurt ist die Spenden- und Finanzaffäre der CDU bisher mit Gelassenheit aufgenommen worden. Zumindest kurzfristig wird das Vertrauen internationaler Investoren in den Standort Deutschland nach Auffassung von Analysten nicht erschüttert. Vielmehr dürfte die geplante Steuerreform der Bundesregierung ohne großen Widerstand der CDU den Bundesrat passieren. Sollten die Konservativen aber langfristig als bedeutende politische Kraft ausfallen, bestehe die Gefahr eines Linksrutsches der Regierung während einer möglichen zweiten Legislaturperiode. An den Aktien- und Rentenmärkte sowie beim Euro sind deutliche Kursreaktionen bislang ausgeblieben. "Auf den ersten Blick ist die CDU-Krise gut für den Standort Deutschland, da die Chancen für eine vernünftige Steuerreform steigen", sagte Adolf Rosenstock von Nomura in Frankfurt. Im Kern gehe es hier um die geplante Steuerbefreiung für Unternehmen beim Verkauf von Beteiligungen.

Der Schaden sei für das Ansehen Deutschlands in der internationalen Finanzgemeinde einigermaßen überschaubar, da es sich um die Krise einer Oppositionspartei handele. "Gott sei Dank ist die CDU im vergangenen Jahr abgewählt worden und jetzt in der Opposition", fügte Rosenstock hinzu. Etwas skeptischer äußerte sich Stefan Bergheim, Volkswirt bei Merrill Lynch. Der Skandal mache keinen guten Eindruck nach außen. "Investoren wollen politische und wirtschaftliche Stabilität", sagte Bergheim. Es bleibe zu hoffen, dass die CDU möglichst rasch ihre Oppositionsarbeit wieder aufnehmen könne. "Vor diesem Hintergrund ist es strategisch richtig, dass die CDU unter dem Vorsitz von Wolfgang Schäuble zunächst die Aufklärung des Skandals betreibt und die CDU dann möglicherweise mit einer neuen Führungsmannschaft antritt", sagte Ulrich Ramm, Chefvolkswirt der Commerzbank.

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