Wirtschaft : Die Leiden der Herren Piëch und Schrempp (Kommentar)

Alfons Frese

Freunde sind sie gewiss nicht. Vielmehr stehen die beiden Vorstandschefs zu ihrer ausgeprägten wechselseitigen Abneigung. Doch in diesen Tagen könnten sich Jürgen Schrempp und Ferdinand Piëch einmal gegenseitig Trost zusprechen. Der eine hat gerade eben, bei der VW-Hauptversammlung, von den Aktionären Dresche gekriegt. Der andere, der die Steigerung des Unternehmenswertes zum obersten Ziel erklärt hat, beobachtet seit Monaten den Wertverlust von DaimlerChrysler. Es ist zum Verzweifeln: Im Großen und Ganzen stimmen die Zahlen: VW baut seinen Marktanteil in Europa und den USA aus, und DaimlerChrysler hat zuletzt einen Rekordgewinn erzielt. Gleichzeitig stellen sich die Konzerne mit strategischen Beteiligungen (Scania, Mitsubishi) neu auf. Und was machen die Aktien? Der Kurs von VW wie von DaimlerChrysler ist erbärmlich. Bis vor kurzem erklärte sich die Vernachlässigung der Standardwerte aus der Old Economy mit der Begeisterung der Anleger für die New Economy an den neuen Märkten. Doch seit Wochen rutschen die Technotitel ab - und die Klassiker dümpeln trotzdem weiter vor sich hin. Was kann man tun? Mit Aktienrückkaufprogrammen wollen DaimlerChrysler und VW den Kurs stützen. Piëch hat vor kurzem eine Investmentbankerin eingestellt, die sich um Investor Relations kümmert, also Analysten und Fondsmanager von den Potenzialen der VW-Aktie überzeugen soll. Schrempp kündigt jetzt Börsengänge von Unternehmensbereichen an und glaubt an tolle Ergebnisse der Internetplattform mit GM und Ford. Ankündigungen, Versprechungen und Appelle an Anleger und Aktionäre - am Mittwoch standen die Aktien wieder unter Druck. Schrempp und Pieëch müssen weiter leiden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar