Wirtschaft : Die neue Freiheit

Ab November können Mobilfunkkunden ihre Telefonnummer bei einem Wechsel des Anbieters behalten. Das kostet, bringt aber viele Vorteile

Maurice Shahd

Schlechter Service, hohe Gesprächspreise, freche Hotline-Mitarbeiter? Eigentlich wollten Sie schon lange ihren Mobilfunkanbieter wechseln? Bisher haben Sie aber davor zurückgeschreckt, weil Sie dann eine neue Handy-Nummer bekommen hätten und keine Lust hatten, umständlich Familie, Freunde und Geschäftspartner zu informieren? Damit ist es jetzt vorbei. Ab dem 1. November können Kunden von T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 (früher Viag Interkom) bei der Konkurrenz einen Vertrag abschließen und die eigene Telefonnummer mitnehmen.

Allerdings gilt es dabei, einige Fallstricke zu beachten: Wechselwillige müssen rechtzeitig ihren Mobilfunkvertrag kündigen und dem verlassenen Anbieter eine Abschiedsgebühr überweisen. Aber auch Kunden, die mit ihrem Netzbetreiber zufrieden sind, profitieren von der neuen Regelung. Sie können bei einer Vertragsverlängerung einen Treuebonus kassieren.

„Ein Wechsel des Anbieters ist für Kunden interessant, deren Vertrag gerade ausläuft“, sagt Axel Burkert, Chefredakteur der Verbraucherberatung Xonio.com. In der Regel laufen die Handy-Verträge der großen Netzbetreiber über 24 Monate. Die Kündigungsfrist beträgt drei Monate zum Ende der Laufzeit. „Hat Ihr Anbieter die Kündigung schriftlich bestätigt, kann ein neuer Vertrag abgeschlossen werden“, erläutert Burkert. Allerdings sollte man sich mit dem Abschluss eines neuen Vertrages nicht allzu viel Zeit lassen, da die alte Nummer nur vier Wochen lang reserviert bleibt und ansonsten neu vergeben werden kann. „Bei dem neuen Mobilfunker müssen die Kunden dann angeben, dass sie ihre Rufnummer behalten wollen.“ Der Netzbetreiber teilt dem Neuling dann mit, zu welchem Zeitpunkt die Umschaltung von einem Netz zum anderen erfolgt.

Wechselgebühren um 25 Euro

Aufpassen müssen Handy-Kunden, deren Vertrag schon länger abgelaufen ist. Verpassen sie die Kündigungsfrist, verlängert sich der Vertrag bei den meisten Tarifen um ein Jahr – wieder mit einer dreimonatigen Kündigungsfrist zum Ende der Laufzeit. Wer es aber mal geschafft hat, sich seines alten Anbieters zu entledigen, kann sich von dem Mobilfunker seiner Wahl verwöhnen lassen. Bei Neuabschluss eines Vertrages gibt es meist ein Handy gratis oder stark verbilligt. Viele Anbieter locken zudem mit einer Befreiung von der Anschlussgebühr oder einem Gesprächsguthaben. So erhalten bei 02 Neukunden beim Wechsel des Anbieters ein Startguthaben in Höhe von 25 Euro.

Das Entgegenkommen von Vodafone, T-Mobile oder E-Plus versüßt dem Abtrünnigen den bitteren Beigeschmack eines Wechsels, denn der kostet. Nach langem Hin und Her haben die Mobilfunkfirmen ihre Wechselgebühren festgelegt. Bei T-Mobile und E-Plus werden 24,95 Euro fällig. O2 berechnet für den Ausstieg 22,50 Euro. Vodafone hat sich noch nicht festgelegt, denkt aber ebenfalls an eine Gebühr zwischen 20 und 30 Euro. Ist das Netz umgeschaltet, müssen nur noch die neue Mailbox eingerichtet werden und die auf der Sim-Karte gespeicherten Telefonnummern übertragen werden. Dann kann es losgehen. Übrigens funktioniert der Wechsel auch für Nutzer von Prepaid-Karten.

Macht ein Wechsel überhaupt Sinn, wo sich die Angebote der Netzbetreiber doch immer mehr ähneln? „Die Unterschiede der Tarife liegen im Detail, können sich für den einzelnen aber auszahlen“, sagt Burkert. So bietet nur E-Plus den Multimedia-Dienst I-Mode, nur bei Vodafone und T-Mobile können Bilder per Multimedia-Messaging (MMS) verschickt werden und nur O2 hat mit Genion eine Kombination von Festnetz- und Handy-Tarif. Die Stiftung Warentest empfiehlt, vor einem Wechsel die Tarife im Internet bei Service-Seiten wie billiger-telefonieren.de, tariftip.de oder teltarif.de zu vergleichen.

Einen Nachteil der neuen Freiheit haben die Verbraucherschützer aber für alle Handy-Nutzer ausgemacht. Mit der Wechselmöglichkeit gehe auch ein Teil der Preistransparenz für die Mobilfunknutzer verloren. Bisher konnte man anhand der Netzvorwahl wie 0171 für T-Mobile oder 0172 für Vodafone genau erkennen, in welches Mobilnetz man gerade telefoniert. Das ist wichtig, weil sich die Preise unterscheiden, je nachdem, in welches Netz telefoniert wird. Die Verbraucherschützer fordern daher von den Netzbetreibern, die Kosten für Telefongespräche in andere Mobilfunknetze zu vereinheitlichen.

Sogar für Kunden, die mit ihrem Anbieter zufrieden sind und gar nicht wechseln wollen, bringt die Neuregelung etwas, denn ihre Verhandlungsposition beim Auslaufen des Vertrages verbessert sich beträchtlich. „Es lohnt sich, vor der Vertragsverlängerung mit den Mitarbeitern der Hotline und im Telefonladen zu verhandeln“, rät Telefonexperte Burkert. Häufig lasse sich dabei ein besseres Handy, ein Gesprächsguthaben oder eine Anzahl Gratis-SMS herausschlagen.

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