• Die Portugiesen zahlen noch heute ihre Expo-Schulden Unterschlagung, Urkundenfälschung, Veruntreuung / Rechnungsprüfer ermittelten ein Rekorddefizit

Wirtschaft : Die Portugiesen zahlen noch heute ihre Expo-Schulden Unterschlagung, Urkundenfälschung, Veruntreuung / Rechnungsprüfer ermittelten ein Rekorddefizit

RALPH SCHULZE

LISSABON .Portugals Weltausstellung im vergangenen Sommer war nicht nur die teuerste aller Zeiten.Sie hat auch einen Rekord-Schuldenberg hinterlassen.Auf umgerechnet rund 700 Mill.DM beziffern die Rechnungsprüfer das Defizit.Allein der Ausstellungspark hatte rund vier Mrd.DM gekostet.Insgesamt waren in Zusammenhang mit der Expo zehn Mrd.DM in Lissabon verbaut worden.Die Stadt erhielt neue Straßen, Brücken, Autobahnanschlüsse und U-Bahnlinien.

Das Geschäft ihres Lebens machten vor allem pfiffige Bauunternehmer.Sie kassierten bei der Expo-Gesellschaft mit überhöhten Preisen ab.Etwa beim Bau des neuen Ostbahnhofs in der Expo-Nachbarschaft, der zwar als architektonische Meisterleistung gilt, aber mehr als doppelt so teuer wurde wie veranschlagt.Auch bei den Milliardeninvestitionen auf dem Expo-Gelände kamen den Buchprüfern nachträglich bei rund 15 Prozent der Ausgaben Zweifel, ob alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Schon im vergangenen Sommer gerieten die Finanzen der Weltausstellung ins Zwielicht, nachdem eine Handvoll von Expo-Managern verhaftet worden war.Der damalige Finanzchef muß sich vor Gericht wegen Betrugs verantworten.Er soll bei den Expo-Immobiliengeschäften Millionenbeträge abgezweigt haben.Mit seiner Verhaftung kam eine ganze Lawine von Beschuldigungen ins Rollen.Geschockt mußten die Portugiesen zur Kenntnis nehmen, daß - ähnlich wie bei der Expo im spanischen Sevilla 1992 - auch ihre Steuergelder in dunklen Kanälen versickerten.

Die Weltausstellung in Sevilla hatte ein Loch von umgerechnet rund 500 Mill.DM hinterlassen.Wie in Lissabon lauten auch hier die Vorwürfe Unterschlagung, Urkundenfälschung, Veruntreuung.Bis heute sind spanische Ermittler auch mit den Hintergründen des für die Expo gebauten Schnellzuges Madrid-Sevilla beschäftigt: Dem Siemens-Konzern wird Bestechung vorgeworfen, um sich den Zuschlag für das Milliardengeschäft gegen die französische Konkurrenz zu sichern.Der Konzern bestreitet dies bis heute.

Die gigantischen Expo-Ausstellungen mit ihren ungeheuren Investitionen scheinen finanziell schnell außer Kontrolle zu geraten.Dies gilt offenbar auch für die kommende Weltausstellung in Hannover, die sich vom Rechnungshof schon vor ihrer Eröffnung nachsagen lassen muß, daß ihre Finanz- wie ihre Besucherkalkulation auf tönernen Füßen steht.

Wohin unseriöse Planspiele führen können, läßt sich in Lissabon sehen: Statt der kalkulierten 15 Mill.Expo-Eintrittskarten wurden gerade mal zehn Mill.verkauft.Allein das riß ein Riesenloch in die Kasse.Dennoch: Der in Portugal verursachte Schaden von 700 Mill.DM ist, wie ein Lissaboner Expo-Sprecher meint, "nicht viel für ein Projekt wie dieses".Die portugiesischen Steuerzahler dürften dies anders sehen.

Als Trostpflaster bleibt den Portugiesen jedoch, daß ihnen die Expo 1998 ein touristisches Rekordjahr bescherte: Rund elf Millionen Menschen kamen ins Land - ein Anstieg von zehn Prozent.Und auch im laufenden Jahr zeichnet sich ein neuer Urlauberhöchststand ab, dieses Mal aber wegen der unsicheren Lage auf dem Balkan und in der Türkei.

In einem Punkt haben die portugiesischen Expo-Planer jedoch aus den Fehlern früherer Weltausstellungen gelernt: Sie schufen einen Expo-Park mit Zukunft, der heute als Messe-, Ausstellungs- und Vergnügungsareal Besucher anzieht.Den einstigen Landespavillon Portugals besetzen heute die Politiker - nämlich der Ministerrat des Landes.Der Pavillon der Meere wird zum Wissenschaftsmuseum, der Pavillon der Ozeane zu einem der spektakulärsten Aquarien Europas, und den ufoförmigen Pavillon der Utopie nutzt man als Konzerthalle.Das Konzept der Nachnutzung, das ja auch in Hannover verfolgt wird, scheint in Portugal aufzugehen.Nach seiner Wiedereröffnung als "Park der Nationen" im Herbst 1998 lockte das frühere Expo-Areal bis heute schon sechs Millionen Besucher an.

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