Wirtschaft : Die richtige Ansprache

Emotionale Intelligenz bringt einen nicht nur im Privatleben, sondern auch im Beruf weiter. Was man davon hat, seine Gefühle zu erkennen – und warum gerade Führungskräfte davon profitieren

Berit Waschatz
Gefragte Kompetenz. Maybrit Illner (Mitte) kann das, was Führungskräften oft fehlt. Sie hat eine Antenne dafür, wie ihre Gäste ticken. So gewinnt die Moderatorin die Teilnehmer für das Gespräch. Foto: Zdf/S. Pietschmann
Gefragte Kompetenz. Maybrit Illner (Mitte) kann das, was Führungskräften oft fehlt. Sie hat eine Antenne dafür, wie ihre Gäste...

Schon Kinder haben einen Hang zur Empathie: Wenn ein Kind sich verletzt und weint, fängt oft auch ein anderes Kind an zu weinen. Doch je nach dem Umfeld, in dem sie aufwachsen, haben Kinder teilweise keine Chance, diese Gefühle zu leben, erklärt Anja von Kanitz, Kommunikationstrainerin und Ratgeberautorin zum Thema. Als Erwachsene fehlt ihnen dann die Fähigkeit, Gefühle zu äußern, zu erkennen oder auf Gefühle anderer einzugehen. „Aber man kann Emotionale Intelligenz auch trainieren“, sagt Gerhard Blickle von der Universität Bonn.

Zunächst einmal sollte man sich darüber klar werden, wie groß die eigene Emotionale Intelligenz ist. Gefühle seien Anzeichen körperlicher Prozesse, erklärt von Kanitz. Diese körperlichen Veränderungen weckten bei verschiedenen Menschen Gefühle in unterschiedlicher Stärke. Manche bemerken den Prozess bereits gleich zu Beginn. Andere spüren ihre Wut erst, wenn sie mit der Hand auf den Tisch schlagen.

Um die eigenen Emotionale Intelligenz zu überprüfen, helfen Selbsttests. „Man braucht nicht unbedingt jemand Fremdes.“ Auf Menschen, die ihre eigene Emotionale Intelligenz feststellen wollen, warten dabei Fragen, mit denen sie sich etwa vergegenwärtigen sollen, ob sie sich meistens dessen bewusst sind, wie sie sich fühlen oder gar nicht auf ihre Gefühle achten. Auch ist wichtig, ob man sich noch unter Kontrolle hat, wenn man wütend ist oder zu schnell Dinge sagt, die man später bereut. Bei solchen Selbsttests wird zudem gefragt, ob die Testperson erkennt, wie andere sich fühlen oder sie dem vollkommen hilflos gegenüber steht.

Kommt am Ende heraus, dass die Person vieles nicht spüren kann, ist die Emotionale Intelligenz nur wenig trainiert, erklärt von Kanitz. Das sei genauso wie im Sport. Wenn man beginne zu joggen, komme man beim ersten Mal auch nicht sehr weit. „Das heißt aber nicht, dass es generell gar nicht mehr geht.“ Training ist nicht nur im Sport, sondern auch bei der Emotionalen Intelligenz alles.

Um seine Emotionale Intelligenz zu verbessern, sollte man mehr in sich hinein horchen, sagt die Expertin. Wenn man etwas tut, sollte man sich fragen, wie es einem damit geht. „Die Wahrnehmung nach innen trainieren, das ist immer ein Baustein.“ Wer seine eigenen Gefühle sensibilisiere, habe auch eine Chance, Gefühle anderer Menschen zu bemerken. „Wenn ich die bei mir selbst nicht wahrnehme, ist es fast unmöglich die bei jemand anderem wahrzunehmen.“

Wer seine Emotionale Intelligenz verbessern will, muss aber auch körperlich trainieren. Denn auch die körperlichen Empfindungen sind dabei wichtig. Man sollte sich stets fragen, wie viel Energie man noch hat, ob man bei einer Tätigkeit Genuss oder eher Ekel verspürt. Wichtig ist etwa, dass man sich nicht um Sinn und Verstand arbeite, sagt von Kanitz. Erst wenn man auch darauf achte, verändere das den Alltag.

Professor Blickle hat auch noch einige praktische Trainings-Tipps, um die Emotionale Intelligenz zu verbessern. Er rät dazu, Bücher und Geschichten zu lesen, bei denen man sich in die Lage anderer Menschen hineinversetzen muss. Außerdem könne es auch hilfreich sein, wenn man als Laienschauspieler in einer Theatergruppe mitspielt.

Seine eigenen Gefühle zu kennen, hilft im Berufsleben. „Personen, die eine hohe emotionale Intelligenz haben, sind beruflich erfolgreicher, wenn sie gleichzeitig ein starkes Aufstiegsmotiv haben“, erklärt Blickle.

Vor allem Führungskräfte sollten ihre emotionale Intelligenz schulen. „Wenn ich ein Team führen will, ist das eine komplexe Aufgabe. Denn ich muss die Leute gewinnen“, erklärt von Kanitz. Um seine Führungsaufgabe gut zu meistern, braucht man ein Gefühl für andere Menschen. Gute Führungskräfte dürften nicht nur strikt ihren Weg gehen, sondern müssten die Kollegen dazu bringen mitzumachen.

Wenn man dann keine Antenne dafür habe, wie man andere anspricht, werde das schwierig. „Das gefährdet dann die eigene Karriere.“ Aber auch alle anderen Arbeitnehmer kommen besser zurecht, wenn sie ihre eigenen Emotionen gut wahrnehmen können. „Ich bin nicht allem so ausgeliefert“, sagt von Kanitz. Wer seine Gefühle als Warnsignal nutze, werde weniger gemobbt und entgeht eher einem Burn-Out, erklärt die Kommunikationstrainerin Ingryt Paterok aus Springe. Wenn man einen guten Zugang zu sich hat, sich mit all seinen Macken akzeptiert, kann man ihrer Meinung nach besser Grenzen setzen, und einem wird mehr Respekt entgegengebracht. dpa

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