Wirtschaft : Die Spanier wollen den Stier an den Hörnern packen

JOSEF MANOLA[MADRID]

Auf der iberischen Halbinsel gilt die Teilnahme an der Währungsunion als ausgemachtVON JOSEF MANOLA, MADRID

Es wird ernst auf dem Weg zur Währungsunion.Aberwie überzeugt sind unsere Nachbarn von der Idee Europa wirklich? UnsereKorrespondenten zeichnen ein Stimmungsbild.Spanien erfüllt zur Zeit keineinziges der Maastricht-Kriterien für eine Teilnahme an der Währungsunion(EWU), und dennoch steigt die Zuversicht der konservativen Regierung, dieEWU-Hürde schon im ersten Anlauf zu nehmen, von Tag zu Tag.Selbst derVorstoß des holländischen Finanzministers, Gerrit Zalm, der seinBefremden darüber geäußert hatte, mit welcher "Hysterie" dieSüdeuropäer die Teilnahme an der Währungsunion anstrebten, konnte denOptimismus des spanischen Premierministers, Jose Maria Aznar, nichtdämpfen.Nach einer scharfen diplomatischen Note an den turnusmäßigenEU-Vorsitzenden, nahm Hollands Premierminister die Bemerkung seinesFinanzministers mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück; der SozialdemokratWim Kok soll gar im kleinen Kreis zugegeben haben, Aznar habe seineAufgaben "besser als erwartet" erledigt.Aznars Zweckoptimismus wirkt ansteckend.Seit seinem Amtsantritt vor neunMonaten signalisiert er EWU-Zuversicht, und die Finanzmärkte haben sichvom Selbstvertrauen des neuen Premiers überzeugen lassen."Es gibt keinenZweifel", wiederholt Aznar immer wieder, "wir werden 1998 dabei sein."Die Madrider Börse erreichte in den vergangenen Monaten historische Werte,boomte, wie kein anderer Finanzplatz; sowohl der IBEX-35 dermeistgehandelten Aktien, als auch der Gesamtindex markierten im Januarmehrere Rekorde in Folge.Nach Ansicht der Analysten ein deutliches Zeichenfür das Vertrauen internationaler Investoren in die WirtschaftsentwicklungSpaniens.Die Stimmungslage der Bevölkerung entspricht dem Trend.In Umfragen zeigensich Spaniens Bürger optimistischer als noch vor einem Jahr.Mit einemknappen Wahlsieg beendete Aznars konservative Volkspartei ("PartidoPopular") im vergangenen März die fast 14jährige Vormachtstellung derSozialisten.Felipe Gonzalez letzte, von Korruptionsaffären überschatteteAmtsperiode hatte auf das Wirtschaftsleben lähmend gewirkt.Auch derprivate Konsum verzeichnet nach Jahren der Stagnation wieder Zuwachsraten.Angesichts einer unsicheren Zukunft hatten die Spanier in den vergangenenvier Jahren ihre Ersparnisse auf die "hohe Kante" gelegt.Vom laufendenWinter-Schlußverkauf meldet der Handel ein Umsatzplus bis 15 Prozent - einerster Lichtblick.Wirtschaftsminister Rodrigo Rato, zuversichtlich: "DieWirtschaft hebt ab".Auch internationale Beobachter bestätigen die Entwicklung.DerInternationale Währungsfonds (IWF) sagte für dieses Jahr ein Wachstum desBrutto-Inlandsprodukts (BIP) um 2,8 Prozent voraus.Die spanischeZentralbank äußert in ihrem jüngsten Konjunkturbericht eineWachstumserwartung von 2,6 Prozent.Im vergangenen Jahr lag der Wert beirund 2 Prozent.Arbeitsminister Javier Arenas zeigt sich über dieEntwicklung des Arbeitsmarkts "vorsichtig optimistisch".DieArbeitslosenrate ist seit Jahren die höchste in der EU, doch geht die Zahlder gemeldeten Arbeitssuchenden - wenn auch nur langsam - wieder zurück:Mit 22 Prozent liegt der Wert immer noch weit über dem EU-Durchschnitt.Nach Ansicht des IWF zeigt gerade der Kampf gegen die Preissteigerung, daßSpanien im vergangenen Jahr "große Fortschritte" gemacht habe: ein Sinkender derzeit bei 3,2 Prozent liegenden Inflationsrate auf deutlich unter 3Prozent "ist möglich".Die Regierung nannte als Ziel für das laufendeJahr 2,6 Prozent, während die Zentralbank 2,5 Prozent für 1997 und 2,0Prozent für Ende 1998 vorhersagt.Der Internationale Währungsfonds zeigte sich in seinem Bericht überzeugtdavon, daß Spanien den im Maastricht-Vertrag vorgegebenen Grenzwert fürdas Haushaltsdefizit (3 Prozent des BIP) unterschreiten werde.UnerwarteteVerluste der verstaatlichten Unternehmen und eine Explosion der Ausgaben inder Sozialversicherung könnten diesen Wert bis zum Jahresende dochdeutlich verschlechtern.Als Voraussetzung für eine - vor Jahresfrist nochvöllig unwahrscheinliche - Teilnahme Spaniens an der EuropäischenWährungsunion gilt die strikte Einhaltung des von der konservativenRegierung entworfenen und im Dezember mit den Stimmen der nationalistischenBündnispartner verabschiedeten "Sparhaushalts".Mit Ausnahme desKrankenhaussektors, der Renten und der Regionalförderungen wurden dieStaats-Ausgaben auf den Vorjahrswerten eingefroren.Trotz Warnstreiksendeten die Verhandlungen mit den öffentlichen Bediensteten mit einerNull-Lohnrunde.Ob sich die linken Gewerkschaften allerdings bei denLohnverhandlungen in anderen Sektoren oder bei der umstrittenen"Flexibilisierung" des Arbeitsmarktes - Erleichterung von Entlassungen undNeuordnung der Arbeitsverträge - Zurückhaltung auferlegen werden, istfraglich.Bleibt den Spaniern die Hoffnung, durch Erfüllung von mindestenszwei der vier Maastricht-Kriterien den EU-Partnern zu signalisieren, aufdem "richtigen Weg" zu sein.Sollte die Aufnahme in die Währungsunionschließlich doch aufgrund einer "politischen Entscheidung" fallen, rechnetAnzar, der seine persönlichen Beziehungen zu Helmut Kohl deutlichverbessert sieht, fest mit der Zustimmung der deutschen Regierung.OHNEFURCHT stellt sich Spanien den Anforderungen der EWU.Es wird ernst auf dem Weg zur Währungsunion.Aberwie überzeugt sind unsere Nachbarn von der Idee Europa wirklich? UnsereKorrespondenten zeichnen ein Stimmungsbild.Spanien erfüllt zur Zeit keineinziges der Maastricht-Kriterien für eine Teilnahme an der Währungsunion(EWU), und dennoch steigt die Zuversicht der konservativen Regierung, dieEWU-Hürde schon im ersten Anlauf zu nehmen, von Tag zu Tag.Selbst derVorstoß des holländischen Finanzministers, Gerrit Zalm, der seinBefremden darüber geäußert hatte, mit welcher "Hysterie" dieSüdeuropäer die Teilnahme an der Währungsunion anstrebten, konnte denOptimismus des spanischen Premierministers, Jose Maria Aznar, nichtdämpfen.Nach einer scharfen diplomatischen Note an den turnusmäßigenEU-Vorsitzenden, nahm Hollands Premierminister die Bemerkung seinesFinanzministers mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück; der SozialdemokratWim Kok soll gar im kleinen Kreis zugegeben haben, Aznar habe seineAufgaben "besser als erwartet" erledigt.Aznars Zweckoptimismus wirkt ansteckend.Seit seinem Amtsantritt vor neunMonaten signalisiert er EWU-Zuversicht, und die Finanzmärkte haben sichvom Selbstvertrauen des neuen Premiers überzeugen lassen."Es gibt keinenZweifel", wiederholt Aznar immer wieder, "wir werden 1998 dabei sein."Die Madrider Börse erreichte in den vergangenen Monaten historische Werte,boomte, wie kein anderer Finanzplatz; sowohl der IBEX-35 dermeistgehandelten Aktien, als auch der Gesamtindex markierten im Januarmehrere Rekorde in Folge.Nach Ansicht der Analysten ein deutliches Zeichenfür das Vertrauen internationaler Investoren in die WirtschaftsentwicklungSpaniens.Die Stimmungslage der Bevölkerung entspricht dem Trend.In Umfragen zeigensich Spaniens Bürger optimistischer als noch vor einem Jahr.Mit einemknappen Wahlsieg beendete Aznars konservative Volkspartei ("PartidoPopular") im vergangenen März die fast 14jährige Vormachtstellung derSozialisten.Felipe Gonzalez letzte, von Korruptionsaffären überschatteteAmtsperiode hatte auf das Wirtschaftsleben lähmend gewirkt.Auch derprivate Konsum verzeichnet nach Jahren der Stagnation wieder Zuwachsraten.Angesichts einer unsicheren Zukunft hatten die Spanier in den vergangenenvier Jahren ihre Ersparnisse auf die "hohe Kante" gelegt.Vom laufendenWinter-Schlußverkauf meldet der Handel ein Umsatzplus bis 15 Prozent - einerster Lichtblick.Wirtschaftsminister Rodrigo Rato, zuversichtlich: "DieWirtschaft hebt ab".Auch internationale Beobachter bestätigen die Entwicklung.DerInternationale Währungsfonds (IWF) sagte für dieses Jahr ein Wachstum desBrutto-Inlandsprodukts (BIP) um 2,8 Prozent voraus.Die spanischeZentralbank äußert in ihrem jüngsten Konjunkturbericht eineWachstumserwartung von 2,6 Prozent.Im vergangenen Jahr lag der Wert beirund 2 Prozent.Arbeitsminister Javier Arenas zeigt sich über dieEntwicklung des Arbeitsmarkts "vorsichtig optimistisch".DieArbeitslosenrate ist seit Jahren die höchste in der EU, doch geht die Zahlder gemeldeten Arbeitssuchenden - wenn auch nur langsam - wieder zurück:Mit 22 Prozent liegt der Wert immer noch weit über dem EU-Durchschnitt.Nach Ansicht des IWF zeigt gerade der Kampf gegen die Preissteigerung, daßSpanien im vergangenen Jahr "große Fortschritte" gemacht habe: ein Sinkender derzeit bei 3,2 Prozent liegenden Inflationsrate auf deutlich unter 3Prozent "ist möglich".Die Regierung nannte als Ziel für das laufendeJahr 2,6 Prozent, während die Zentralbank 2,5 Prozent für 1997 und 2,0Prozent für Ende 1998 vorhersagt.Der Internationale Währungsfonds zeigte sich in seinem Bericht überzeugtdavon, daß Spanien den im Maastricht-Vertrag vorgegebenen Grenzwert fürdas Haushaltsdefizit (3 Prozent des BIP) unterschreiten werde.UnerwarteteVerluste der verstaatlichten Unternehmen und eine Explosion der Ausgaben inder Sozialversicherung könnten diesen Wert bis zum Jahresende dochdeutlich verschlechtern.Als Voraussetzung für eine - vor Jahresfrist nochvöllig unwahrscheinliche - Teilnahme Spaniens an der EuropäischenWährungsunion gilt die strikte Einhaltung des von der konservativenRegierung entworfenen und im Dezember mit den Stimmen der nationalistischenBündnispartner verabschiedeten "Sparhaushalts".Mit Ausnahme desKrankenhaussektors, der Renten und der Regionalförderungen wurden dieStaats-Ausgaben auf den Vorjahrswerten eingefroren.Trotz Warnstreiksendeten die Verhandlungen mit den öffentlichen Bediensteten mit einerNull-Lohnrunde.Ob sich die linken Gewerkschaften allerdings bei denLohnverhandlungen in anderen Sektoren oder bei der umstrittenen"Flexibilisierung" des Arbeitsmarktes - Erleichterung von Entlassungen undNeuordnung der Arbeitsverträge - Zurückhaltung auferlegen werden, istfraglich.Bleibt den Spaniern die Hoffnung, durch Erfüllung von mindestenszwei der vier Maastricht-Kriterien den EU-Partnern zu signalisieren, aufdem "richtigen Weg" zu sein.Sollte die Aufnahme in die Währungsunionschließlich doch aufgrund einer "politischen Entscheidung" fallen, rechnetAnzar, der seine persönlichen Beziehungen zu Helmut Kohl deutlichverbessert sieht, fest mit der Zustimmung der deutschen Regierung.OHNEFURCHT stellt sich Spanien den Anforderungen der EWU.

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