Wirtschaft : "Die Telekom braucht einen stabilen US-Partner" - Interview mit dem Analysten Holger Grawe

Die Telekom zahlt knapp 20 Mrd. DM für One-2-

Was der Kauf von One-2-One für die Telekom bedeutet, darüber sprach Corinna Visser mit dem Analysten Holger Grawe von WestLB Panmure.

Die Telekom zahlt knapp 20 Mrd. DM für One-2-One. Ist das ein fairer Preis?

Das ist sicher teuer, vor allem wenn man bedenkt, dass durch die Übernahme der Schulden der Preis auf 25,2 Mrd. DM steigt. Aber wenn man die strategische Komponente betrachtet, ist der Preis gerechtfertigt.

Wie sieht die strategische Perspektive aus?

Die Telekom will im Bereich Mobilfunk und auf dem britischen Markt expandieren. Großbritannien ist hinter Deutschland und Italien der drittgrößte Mobilfunkmarkt Europas und der am schnellsten wachsende. Jetzt hat die Telekom 10,8 Milliarden Mobilfunkkunden in Europa - das ist beachtlich. Der direkte Zugang zum Kunden wird im Wettbewerb immer wichtiger. Die Alternative zum Kauf von One-2-One wäre ein Einstieg bei Orange gewesen. Das wäre noch viel teurer geworden.

Wie erfolgreich ist One-2-One?

One-2-One hat einen Anteil von 16 Prozent am britischen Mobilfunkmarkt. Aber das Unternehmen ist extrem erfolgreich, wenn es darum geht, neue Kunden zu gewinnen: 21 Prozent der Neukunden gehen zu One-2-One. Allerdings fährt One-2-One noch Verluste ein - im letzten Jahr 81 Mill. Pfund. Das muss erst verdaut werden und wird sich auf den Gewinn pro Aktie bei der Telekom negativ auswirken.

Steht die Telekom im internationalen Wettbewerb jetzt besser da?

Der Mobilfunkmarkt ist nur eine Herausforderung. Global One, die Allianz mit France Télécom und der US-Firma Sprint, ist der Kernpunkt der internationalen Strategie. Seit der geplatzten Fusion mit Telecom Italia ist das Verhältnis zu den Franzosen gestört. Jetzt kommt es darauf an, wie sich der dritte Partner verhalten wird. Auch für eine mögliche Partnerschaft mit der spanischen Telefónica wäre ein stabiler US-Partner wichtig.

Soll man jetzt Telekom-Papiere kaufen?

Wir sehen die Telekom als Outperformer und empfehlen sie weiter zum Kauf.

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