Wirtschaft : Die Telekom kauft ein

Konzern übernimmt US-Mobilfunkfirma für 2,4 Milliarden Dollar und Immo-Scout 24 / Zuschlag für iPhone

Henrik Mortsiefer

Berlin - Die Deutsche Telekom hat mit einem milliardenschweren Einkauf auf dem US-Mobilfunkmarkt deutlich gemacht, dass sie ihr profitables US-Geschäft stärken – und nicht verkaufen will. Außerdem baut Telekom-Chef René Obermann die Präsenz im Internet weiter aus. Für 357 Millionen Euro wird die Telekom-Tochter Scout 24 Eigentümer der Wohnungssuchmaschine Immobilien-Scout 24. Beides gab die Telekom am Montag bekannt. Unkommentiert ließ der Konzern Meldungen, wonach der US-Computerkonzern Apple der Telekom an diesem Mittwoch den Zuschlag für den Vertrieb des iPhone in Deutschland, Österreich, Ungarn, Kroatien und den Niederlanden erteilen will.

Die Telekom teilte mit, T-Mobile USA werde den Konkurrenten Suncom Wireless für 1,6 Milliarden Dollar (1,15 Milliarden Euro) kaufen. Zusätzlich würden Schulden der amerikanischen Gesellschaft von 800 Millionen Dollar übernommen. Damit belaufe sich der Gesamtwert der Transaktion auf 2,4 Milliarden Dollar, hieß es.

Vor einigen Monaten waren Gerüchte aufgekommen, der Telekom-Aktionär Blackstone dränge auf einen Verkauf des lukrativen US-Geschäfts. Der Finanzinvestor hält 4,5 Prozent an dem Konzern. Telekom-Chef Obermann gab dem Drängen nicht nach und setzt weiter auf den Umsatz- und Wachstumstreiber USA. T-Mobile USA ist das viertgrößte amerikanische Mobilfunkunternehmen und wächst schnell. Die Gesellschaft hat 27 Millionen Kunden, die einen großen Teil des globalen T-Mobile-Kundenstamms von 112 Millionen Nutzern stellen. Im ersten Halbjahr setzte das Unternehmen sieben Milliarden Euro um, knapp ein Viertel des Konzernumsatzes. Die Telekom, die in Deutschland weiter massiv Kunden im Festnetzgeschäft verliert, will vor allem im Ausland und im Mobilfunkgeschäft wachsen; dort vor allem in Regionen, in denen der Konzern schon vertreten ist.

Suncom hat mehr als 1,1 Millionen Kunden und ist vor allem im Südosten der USA, in Puerto Rico und auf den Virgin Islands aktiv. Das Unternehmen kooperiert mit der Telekom, die sich nach dem Kauf Synergieeffekte von rund einer Milliarde Dollar erhofft. In den USA ist die Telekom nun fast flächendeckend mit eigenen Netzen präsent. T-Mobile USA decke künftig 98 der wichtigsten 100 regionalen Märkte ab, erläuterte T-Mobile-USA-Chef Robert Dotson. Zudem steht Suncom mit einem durchschnittlichen Umsatz je Kunde von 57 Dollar etwas besser da als T-Mobile USA.

Den Zukauf lässt sich René Obermann einiges kosten: Suncom-Aktien hatten am Vorwochenschluss mit 22 Dollar notiert, so dass T-Mobile ein Aufgeld von 22,7 Prozent zahlt. An der Börse setzte sich am Montag die Erkenntnis durch, dass der Preis gerechtfertigt ist. Die T-Aktie erholte sich von anfänglichen Verlusten und notierte am Nachmittag bei 13,73 Euro (plus 0,4 Prozent).

Der Preis sei im Lichte der jüngsten milliardenschweren Übernahmen in den USA sowie der zu erwartenden Synergien, die der Konzern mit rund einer Milliarde Dollar bezifferte, gerechtfertigt, schrieb LBBW-Analyst Andreas Heinold. Die Analysten der Societe Generale bekräftigten ihre Kaufempfehlung für die T-Aktie. Independent Research begrüßte den US-Kauf zwar unter strategischen Gesichtspunkten, rechnet aber nicht mit positiven Impulsen für die Aktie.

Nicht nur im Mobilfunkgeschäft, sondern auch im Wachstumsfeld Internet setzt Telekom-Chef Obermann auf Expansion. Am Montag schnappte die Telekom einem australischen Konsortium die Mehrheit am Portal Immobilien-Scout 24 weg. Dabei nutzte die Telekom-Tochter Scout 24 ihr Vorkaufsrecht zum Erwerb von rund 66 Prozent der Anteile, die bislang bei der Wiesbadener Aareal Bank lagen. Das Finanzinstitut wollte diese für 357 Millionen Euro an die Bank Macquarie und das Medienunternehmen Publishing and Broadcasting abgeben. Diese Summe mussten auch die Bonner hinlegen, um ihren Anteil an dem profitablen Unternehmen auf 99,3 Prozent aufstocken zu können. Immobilienscout setzte im vergangenen Jahr 53 Millionen Euro um und steigerte den Gewinn um 38 Prozent auf 21 Millionen Euro.

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