Wirtschaft : Die Türme haben nicht gewackelt

FRANKFURT(MAIN) (ro)."Samstags nie!" Auch die Herren in den Vorstandsetagen der Frankfurter Großbanken konnten am Donnerstag die Rufe und vor allem die durchdringenden roten Trillerpfeifen nicht überhören.Schätzungsweise 15 000 Banker aus der ganzen Republik pusteten mit voller Kraft und probten den Aufstand.Die deutsche Bankenmetropole war zeitweise lahmgelegt.Solch eine machtvolle und starke Demonstration hatte die sonst so ruhige Finanzhauptstadt der Republik bislang erst einmal erlebt - als Zehntausende Stahlarbeiter vor gut zwei Jahren vehement gegen die damals geplante Übernahme von Thyssen durch Krupp demonstrierten.

Die Gewerkschaften HBV und DAG waren wohl selbst überrascht wie viele Kolleginnen und Kollegen mit nach Frankfurt gekommen waren - mit sieben Sonderzügen und etlichen Bussen aus Hamburg, Dortmund, Duisburg, aus Karlsruhe, Mannheim und München.In vier Demonstrationszügen vorbei an den Zentralen der Dresdner, der Commerz- und der Deutschen Bank zogen sie unter dem Motto "Wir lassen die Türme wackeln" zum Platz vor der Alten Oper im Herzen des Frankfurter Bankenviertels.

Es gab keinen Zweifel.Der Wunsch der Bankarbeitgeber auch den Samstag zum Regelarbeitstag zu machen, hatte die meisten der 15 000 Banker nach Frankfurt getrieben.Als Margret Mönig-Raane auf der Bühne vor der Alten Oper ans Mikro tritt, sind noch längst nicht alle Demonstranten eingetroffen.Die letzen kommen als die eigentliche Kundgebung schon vorbei ist.Das tut der Stimmung keinen Abbruch."Die Arbeitgeber proben den Salto zurück in die 50er Jahre - mit regelmäßiger zuschlagsfreier Samstagsarbeit.Das wird nicht gelingen", ist sich die HBV-Chefin sicher.Und dann nennt Mönig-Raane in dem seit fünf Monaten andauernden und damit längstem Konflikt im deutschen Bankgewerbe ihre Forderungen: Unverzügliche Verhandlungen ohne Vorbedingungen, keine Einschränkung bei den Gehältern - "schließlich erwirtschaften die Belegschaften die Mega-Gewinne" - Samstagsarbeit nur in Ausnahmen und mit Freizeitzuschlägen.

Auch wenn es der bislang größte Banker-Streik ist - die Arbeitgeber reagieren mit Unverständnis.Es liege ein Kompromißangebot auf dem Tisch.Nach der machtvollem Demonstration sind die Fronten verhärtet.Jede Seite signalisiert Kompromißbereitschaft, allerdings unter verschiedenen Vorzeichen.

Aber das war den 15 000 Bankern zumindest am Donnerstag egal."Auch Banker können kämpfen und werden weiterkämpfen.", betont DAG-Vorsitzender Roland Issen.Wesentlich beeinträchtigt waren ihre Geschäfte angeblich nicht, wie Deutsche Bank und Commerzbank betonten, und gewackelt haben die Türme in Frankfurt auch nicht.Aber die Scheiben haben gedröhnt.

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