Wirtschaft : Die Weltbörsen befinden sich im Umbruch

Thomas Kurze

Thomas Kurze ist Mitglied des Vorstands der Bankgesellschaft Berlin. Er ist verantwortlich für den Bereich private Vermögensanlagen.

Die Weltbörsen stehen Ende März in einem Umbruchprozess. In den vergangenen Monaten sorgten vor allem Aktien aus dem sogenannten TMT-Bereich, also den Branchen Technologie, Medien, Telekommunikation, für eine sehr positive Performance - bei nun beträchtlich gestiegenen Risiken für Kursrückschläge. Festzuhalten ist, dass die junge Berliner Pixelpark AG inzwischen so hoch bewertet wird wie die Springer-Gruppe oder dass der Halbleiterhersteller Infineon einen weit höheren Marktwert als der Flugzeugbauer Boeing erreicht hat.

Seit kurzer Zeit ist die Hinwendung der Investoren zu Aktien aus der "alten Ökonomie" zu erkennen. Damit einher geht die Umkehr eines ungewöhnlichen Zustandes in den vergangenen Monaten: Blue-Chip-Indizes wie der Dow Jones an der New Yorker Börse fielen im Einklang mit gestiegenen Zinsen, Hightech-Indizes an der US-Technologiebörse Nasdaq oder am Frankfurter Neuen Markt erzielten immer neue Rekorde.

Die derzeit stattfindende Umorientierung hin zu Aktien der "Old Economy" ist noch nicht fest verankert. Die Tagesfavoriten wechseln schnell, die Schwankungen an den Börsen steigen. Dies ist nicht zuletzt Ausdruck einer gewissen Unsicherheit der Marktteilnehmer. Schließlich stehen weiterhin positiven Wachstumsaussichten auch latente Inflationsrisiken gegenüber, die sich erst im Rahmen einer Abschwächung der Ölpreise und der Stabilisierung des Lohnstückkostenzuwachses abschwächen können. Es ist zu erwarten, dass sich diese Phase der Unsicherheit bis in den Sommer hinein ziehen wird.

In den letzten Wochen hatte der Deutsche Aktienindex den Vorteil, dass er über Werte wie Siemens, Telekom und SAP verfügte. Diese Schwergewichte hatten den Index auch gegen die negativen Vorgaben des Dow Jones auf neue Rekordstände getrieben. Auch der Euro-Stoxx 50, der die größten Werte im Euro-Währungsraum zusammenfasst, folgte diesem Muster. Da nunmehr große Branchen-Umschichtungen in Gang gesetzt werden, sollte es schon als Erfolg gewertet werden, wenn sich der Dax auf dem erreichten hohen Niveau von über 7500 Punkten seitwärts konsolidiert. Temporär erwarten wir einen defensiven Markt. Dabei werden Technologie-, Medien-, Telekommunikations-Aktien an Boden einbüßen - hier sind Gewinnmitnahmen zu empfehlen. Halten wir uns vor Augen, dass sich die Kapitalisierung der Werte des Neuen Marktes von 50 Milliarden Euro im September 1999 auf 215 Milliarden Euro Ende Februar 2000 gut vervierfacht hat.

Als besonders interessant beurteilen wir in der jetzigen Phase die Pharmabranche, da hier Ertragssicherheit und Übernahmefantasie zusammen kommen, während die Bewertungen noch moderat sind. Die Aktien von Roche, Astra Zeneca und Aventis kann ich nachdrücklich empfehlen. Nach dem Biotech-Boom spricht vieles für einen Pharma-Boom mit günstigen Einstiegschancen bei diesen drei Werten, die alle über eine gut gefüllte Produkt-Pipeline verfügen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben