Wirtschaft : Die Wette gilt

Aktienkurse steigen in Erwartung von neuen Anleihekäufen der Europäischen Zentralbank.

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Berlin - Die Wette gilt: Am Aktienmarkt wird darauf gesetzt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) in Kürze ihr seit März ruhendes Programm zum Ankauf von Staatsanleihen aus Schuldenstaaten wieder aktiviert. Getrieben von sehr starken Bank- und Versicherungswerten kletterten am Montag an den Börsen die Kurse. Auch der Dax stieg bis zum Handelsschluss um 1,3 Prozent auf 6774 Punkte. An den Anleihemärkten entspannte sich die Lage für die Schuldenländer. Italien sammelte bei der Auktion dreier Anleihen insgesamt 5,48 Milliarden Euro ein. Dabei fiel der Zins für die richtungsweisende zehnjährige Anleihe mit 5,96 Prozent auf den niedrigsten Stand seit April.

Der Euro konnte seine jüngsten Gewinne nicht halten und fiel zu Wochenbeginn wieder unter 1,23 Dollar. Die Gemeinschaftswährung notierte zuletzt bei 1,2246 Dollar, nachdem sie am Freitag zeitweise auf ein Drei-Wochen-Hoch von 1,2389 Dollar gestiegen war.

Analysten glauben, dass der Dax noch kräftiger zulegen kann, wenn EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag bekannt gibt, dass die Notenbank unbegrenzt spanische Anleihen und Staatspapiere anderer Schuldenstaaten am Sekundärmarkt kaufen wird. „Wenn Draghi so etwas ankündigt, steigt der Dax aus dem Stand auf 6900 Punkte“, prognostizierten Börsianer. Auch das bisherige Jahreshoch von 7194 Dax-Zählern sei später dann erreichbar.

„Die Märkte lassen sich von Draghis Worten verzaubern“, kommentierte Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die Kursentwicklung. Bereits nach „Super-Marios“ erster Ankündigung am vergangenen Donnerstag, „alles Erforderliche“ zu tun, um den Euro zu erhalten, waren die Kurse gestiegen. Positiv sei, „dass es nach der Rallye der vergangenen Handelstage keine Spur von Verkaufsdruck gibt“, sagte Chefhändler Matthias Jasper von der WGZ Bank am Montag. Die Politiker der Eurozone würden nun aber an ihren Aussagen gemessen. Macht auch Draghi seine Ankündigung nicht wahr, rechnen Analysten mit einem Rückschlag: „Wenn hier nichts verkündet wird, wäre das eine riesige Enttäuschung“, sagte Callum Henderson, Analyst bei der Standard Chartered Bank.

Zu den gefragtesten Aktien gehörten am Montag die Papiere von Banken und Versicherungen. Der Grund: Tritt die EZB als Käufer von Staatsanleihen auf, muss sie diese (auf dem Sekundärmarkt) bei Banken und Versicherungen kaufen, denn der Kauf von neu emittierten Bonds (Primärmarkt) ist ihr vertraglich verboten. In den Büchern der Institute reduzieren sich so die Risiken. Commerzbank-Aktien gewannen 2,4 Prozent, Deutsche-Bank-Titel zwei Prozent und Papiere der Allianz 1,8 Prozent. Der europäische Bankenindex stieg um mehr als drei Prozent.

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) begrüßte den möglichen Ankauf spanischer Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank. Die Auswirkungen der Euro- Krise könnten damit gemildert werden, sagte BdB-Geschäftsführer Michael Kemmer am Montag. Die EZB könne sich Zeit verschaffen, sagte Kemmer. „Der Ankauf ist richtig und zu begrüßen.“

Die Bundesbank erneuerte hingegen ihre Kritik an einer möglichen Wiederaufnahme des Kaufprogramms. „Die Bundesbank hält Staatsanleihekäufe durch die Zentralbank weiterhin für problematisch“, sagte ein Sprecher. Die Bundesbank fürchtet, dass die Maßnahme falsche Anreize setzt. Wie die widerstreitenden Meinungen im EZB-Rat harmonisiert werden sollen, ist offen. Aus Notenbankkreisen sickerte durch, dass sich Draghi und Weidmann im Vorfeld der EZB-Ratssitzung zum Gedankenaustausch treffen wollen. Die EZB hatte sich im Mai 2010 gegen deutschen Widerstand zu dem Kaufprogramm („Securities Markets Programme“) entschlossen. Aktuell hat sie Staatspapiere im Wert von 211,5 Milliarden Euro in der Bilanz.

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