Wirtschaft : Die Wüste lebt

Das Emirat Katar will mit deutscher Technologie zum Garten Eden werden – und Vorbild für arme Länder.

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Lokale Erzeugung. Im Hinterland der Stadt Doha will Katar riesige Farmen errichten mit modernster Bewässerungstechnik. Foto: p-a/dpa
Lokale Erzeugung. Im Hinterland der Stadt Doha will Katar riesige Farmen errichten mit modernster Bewässerungstechnik. Foto:...Foto: picture-alliance/ dpa

Berlin - Dass man Geld nicht essen kann, ist bekannt. Im arabischen Emirat Katar bedauert man zudem, dass man es nicht trinken kann. Oder Pflanzen damit gießen. Geld wäre nämlich genug da: Katar ist der Staat mit dem dritthöchsten Pro-Kopf-Einkommen weltweit, Deutschland liegt auf Platz 16. Und beim Wirtschaftswachstum – 18,7 Prozent im vergangenen Jahr – ist das Land, das über rund ein Drittel der Fläche Brandenburgs verfügt, sogar absolute Weltspitze.

Und doch fühlt sich der Staat wegen Wassermangels akut in seiner Existenz und Unabhängigkeit bedroht. Das sagte Fahad al Attiya, der vom Königshaus berufen wurde, das Problem zu lösen, dem Tagesspiegel am Mittwoch. Der Manager ist in Berlin unterwegs, um Partner in Politik und Wirtschaft zu finden.

In seinen Gesprächen schilderte er die Lage: Die beiden großen natürlichen unterirdischen Wasserspeicher des Landes sind so gut wie leer, weshalb die Regierung immer mehr Landwirten verbieten muss, diese anzuzapfen. In den vergangenen fünf Jahren musste fast jede dritte Farm schließen. Wohin es führt, wenn der Wasserspiegel zu weit sinkt, konnten man bereits in Nachbarländern beobachten, wo salziges Meerwasser aus dem Golf in poröse Gesteinsschichten drückte und diese als Süßwasserspeicher unbrauchbar machte.

2008 war der in England militärisch und juristisch ausgebildete Manager al Attiya zum Leiter des nationalen Ernährungsprogramms QNFSP ernannt worden. Seine erste Bestandsaufnahme ergab: Katar muss fast das gesamte Nutzwasser mit Meeresentsalzungsanlagen gewinnen, die mit billigem – aber klimaschädlichem – Öl und Gas betrieben werden. 90 bis 95 Prozent der Lebensmittel müssen importiert werden. Das sind oft Fertigprodukte – womöglich mit ein Grund, warum 69 Prozent der Männer und 78 Prozent der Frauen als übergewichtig oder gar adipös gelten, heißt es in dem Bericht. Die Landwirtschaft trägt nur rund 0,2 Prozent zum Inlandsprodukt bei. In anderen entwickelten Ländern sind es rund zwei Prozent. Auch das sei ein ungesundes Verhältnis.

Das will der Staat wieder geraderücken, indem er nach unbestätigten Berichten bis zu 2,5 Milliarden Dollar innerhalb von zehn Jahren investiert. Unter anderem sollen Fotovoltaik- und solarthermische Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von rund 1800 Megawatt installiert werden – was der zweier mittelgroßer Atomkraftwerke entspricht. Damit sollen täglich 3,5 Millionen Kubikmeter Meerwasser entsalzen werden, um neue Hightech-Agrarbetriebe zu bewässern und die natürlichen Speicher aufzufüllen. Auch soll es Kompostierungsanlagen geben, um Erde zu gewinnen. Für 2014 ist der Bau erster Anlagen geplant, 2024 will Katar der neue Garten Eden sein, der sich zumindest selbst versorgen kann.

Die Ideen dazu holte sich al Attiya auf Bildungsreisen in die USA und die Niederlande etwa, Länder, die er für führend bei der Landwirtschaftsplanung hält. Auch in Deutschland sucht er Rat – gestern etwa beim „ehrenamtlichen Energiewendebeauftragten“, wie sich Klaus Töpfer (CDU) selbst nennt. Am heutigen Donnerstag will al Attiya beim 15. Deutsch-Arabischen Wirtschaftsforum, das bis zum Freitag am Potsdamer Platz abgehalten wird, einen Vortrag halten.

Al Attiya ernannte Töpfer, den ehemaligen Umweltminister und Direktor des UN-Umweltprogramms, gestern auch kurzerhand zum Verwaltungsrat einer neuen Organisation, die sich im Sommer 2013 konstituieren soll: der Global Dry Land Alliance. Töpfer zeigte sich geehrt und ernsthaft begeistert. Gern helfe er dem Staat, den Bund der trockenen Länder zu beraten. Al Attiyas Team hat rund 60 Länder identifiziert, die mit ähnlichen Problemen kämpfen. Zehn bis 15 davon seien in der Lage – und willens –, diese aus eigener Finanzkraft zu bekämpfen, darunter Mexiko, Südafrika und Kasachstan. Gemeinsam wollen sie Technologien im großen Stil erproben, was diese auch erschwinglich für die ärmeren Partnerländer machen würde. Dieser Gedanke reize ihn besonders, sagte Töpfer.

Doch auch Deutschland soll helfen – und profitieren. Seit 2009 arbeitet Katar mit dem Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum zusammen. Gespräche gab es auch schon mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und dem Siemens-Konzern wegen des Aufbaus eines intelligenten Stromnetzes. Auch suche man Solarunternehmen, Solarworld aus Bonn hat bereits vor Ort ein Werk im Bau. „Die Wüste zu begrünen ist ein Projekt, wie eine Stadt auf dem Mond oder Mars zu errichten“, sagte Al Attiya. Dabei brauche man Deutschlands Hilfe.

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