Wirtschaft : Direktvertrieb: Vom monströsen Ungetüm zum handlichen Helfer

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Im Jahre 1901 rollt durch Londons Straßen ein Pferdewagen, beladen mit einem monströsen Verbrennungsmotor an dem 200 Meter lange Gummischläuche angebracht sind. Auf dem Kutschbock sitzt der Schöpfer des Ungetüms: Hubert Cecil Booth, der Erfinder des ersten Staubsaugers der Welt. Mit seinem mobilen Reinigungsgerät fährt er zu den Häusern seiner Kunden. Sieben Jahre später entwirft dann der Amerikaner James Murray Spangler einen Staubsauger in handlichem Format. Reißenden Absatz findet Spanglers Produkt erst als William Hoover mit der Massenproduktion beginnt.

In Deutschland besitzen in den 20-er Jahren noch nicht einmal 20 Prozent der Haushalte einen Staubsauger. 1930 bringt die 1883 gegründete Wuppertaler Maschinen- und Teppichfabrik Vorwerk den elektrisch betriebenen Handstaubsauger "Kobold" auf den deutschen Markt - das kleinste, leichteste und mit 59 Reichsmark günstigste Gerät seiner Zeit. Doch wegen seiner äußerlichen Unscheinbarkeit bleibt der Kobold ein Ladenhüter. Um den Verkauf zu steigern und dem sinkenden Umsatz zu trotzen, trifft Vorwerk-Chef August Mittelsten Scheid eine mutige Entscheidung: Er führt den in Deutschland völlig unbekannten Direktvertrieb ein, den sein Sohn Werner während eines USA-Aufenthalts kennengelernt hat. Die Vorwerk-Vertreter halten Einzug in deutsche Wohnzimmer und machen den Kobold-Staubsauger zu einem begehrten Produkt.

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