Wirtschaft : DIW besteht Prüfung

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Berlin - Die Noten sind nicht schlecht, beim Bekanntheitsgrad hapert es noch. Und das ausgerechnet beim größten deutschen Wirtschaftsinstitut, dem DIW Berlin. Zum „Deutschen Institut für Wirtschaftswissenschaften“ verballhornten es Prüfer, die die wissenschaftliche Qualität zu begutachten hatten. So nennen sie es auf der Titelseite ihres neuen Gutachtens. „Wirtschaftsforschung“ muss es korrekt heißen. Über den Rest der Studie kann sich das Institut indes kaum beklagen – Fördermittel vom Staat sind ihm damit für die kommenden Jahre sicher.

Das DIW habe „seine Leistungen in vielen Arbeitsfeldern sehr überzeugend ausbauen und verbessern können“, urteilen die Prüfer mit Blick auf die letzte Evaluation 2005. Die wissenschaftliche Leistung habe sich verbessert, ebenso die Förderung des Nachwuchses. Allerdings sei die Bilanz in einigen Bereichen schwächer geworden. Dies gelte vor allem für die wirtschaftspolitische Beratung. Damit spielen die Prüfer darauf an, dass das DIW seit 2007 nicht mehr an den Konjunkturprognosen für die Regierung beteiligt ist.

Alle sieben Jahre prüfen externe Wissenschaftler die Leistungen des DIW und entscheiden, ob das Haus weiter vom Staat gefördert wird. Im April hatten die Fachleute das DIW besucht. Ihren Einschätzungen stimmte der Senat der Leibniz-Gemeinschaft, in der renommierte Institute vereinigt sind, nun zu. Die Ergebnisse waren mit Spannung erwartet worden, weil das DIW turbulente Zeiten hinter sich hat. Anfang 2011 musste der Präsident Klaus Zimmermann gehen, nachdem der Landesrechnungshof Unregelmäßigkeiten und Verschwendung beanstandet hatte. „Zwischen 2009 und 2011 stagnierte die wissenschaftlich-strategische Entwicklung des DIW Berlin“, stellte der Leibniz-Senat dazu lakonisch fest.

Die Prüfer lobten, dass die Struktur des DIW nun „erheblich klarer“ sei. Die Forscher haben zudem so viele wissenschaftliche Artikel veröffentlicht wie nie zuvor. Die zehn Abteilungen werden mit „gut“ oder „gut bis sehr gut“ bewertet. Ausnahme: Die Abteilung Makroökonomie und Konjunkturforschung, seit Jahren ein Problemfall im Haus. Hier seien die Leistungen „derzeit am schwächsten“. Für das DIW bedeutet ein solches Urteil einen heftigen Image-Schaden. Die DIW-Forscher setzen nun hohe Erwartungen in den neuen Präsidenten. Der EZB-Ökonom Marcel Fratzscher, ein Makroökonom, soll ab 2013 frischen Wind ins Haus bringen. Carsten Brönstrup

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