DIW-Chef : Abteilungsleiter halten sich mit Solidarität zurück

Die Vorgänge beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) werden noch verwirrender. Eine geplante Solidaritätserklärung der Abteilungsleiter zugunsten des Präsidenten Klaus Zimmermann fand doch nicht statt. Die Finanzaffäre zeitigt derweil weitere Folgen.

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Berlin - Am Mittwoch hatte Klaus-Peter Schmidt-Deguelle, Zimmermanns Medienberater, die entsprechende Absicht der Abteilungsleiter bestätigt und von einem offenen Brief an Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) gesprochen. Am Donnerstag hieß es dagegen im DIW: „Es gibt keinen Brief.“ Schmidt-Deguelle wiederum sagte, der Brief werde noch abgeschickt, wenn die Initiatoren alle Abteilungsleiter erreicht und einbezogen hätten. Das sei bislang nicht der Fall.

Dem DIW und Zimmermann persönlich werden vom Rechnungshof Regelwidrigkeiten beim Umgang mit Steuergeldern vorgeworfen. Das Institut hat in einer Stellungnahme gegenüber der Senatsverwaltung von Zöllner die Vorwürfe im Wesentlichen zurückgewiesen. Nun ist der Senat am Zug: Bis zum 10. Februar erwartet der Rechnungshof eine Antwort auf seinen Bericht.

Die Finanzaffäre zeitigt derweil weitere Folgen. Das Berufungsverfahren des DIW-Abteilungsleiters Alexander Kritikos an der Uni Potsdam verzögert sich. Beim DIW gibt es eine Regel, wonach alle Leiter der Forschungsabteilungen eine Professur an einer Universität wahrnehmen. Kritikos war in Potsdam gesetzt, doch das Berufungsverfahren verzögert sich. Zwar dementierte das Kritikos, Leiter der Forschungsabteilung Innovation, Industrie, Dienstleistung, auf Anfrage ebenso wie Schmidt- Deguelle. Doch an der Potsdamer Universität hörte sich das anders an. „Das Verfahren ruht, weil die Vereinbarungen mit dem DIW noch nicht unterschrieben sind“, sagte Sprecherin Birgit Mangelsdorf auf Anfrage. Bevor eine Entscheidung falle, werde man sich die weitere Entwicklung rund um die Vorwürfe des Rechnungshofes „nochmal anschauen.“

Im Zusammenhang mit der Finanzkrise wird im DIW zunehmend auch der Führungsstil von Zimmermann und die erstaunlich hohe Fluktuation diskutiert. Seit dem Amtsantritt Zimmermanns vor zehn Jahren gab es eine Vielzahl von Vizepräsidenten, Geschäftsführern und persönlichen Referenten. In den sogenannten Stabsabteilungen (dazu zählen Informationstechnik, Verwaltung, Personal und Kommunikation) gab es mehr als ein Dutzend Wechsel, die DIW-intern auch mit Zimmermann in Verbindung gebracht werden. Der Präsident gilt im eigenen Haus als misstrauisch und wenig kommunikativ. Von „Sonnenkönig“ und „Kontrollfreak“ ist ferner die Rede am Institutssitz in der Mohrenstraße.

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