Wirtschaft : DIW-Chef bekommt neuen Stellvertreter

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, reagiert auf die Kritik des Berliner Rechnungshofes und hat sich einen Vizepräsidenten ausgesucht.

Berlin - Am heutigen Dienstag will eine Berufungskommission unter Leitung des früheren Wirtschaftsweisen Bert Rürup den DIW-Abteilungsleiter Alexander Kritikos für das Amt nominieren. Bestellt werden muss Kritikos dann vom Kuratorium des Instituts, das um den 20. März herum zusammentreten will.

Der Rechnungshof hatte in seinem Prüfbericht über das Finanzgebaren des DIW unter anderem kritisch angemerkt, dass die Position des Vizepräsidenten seit September 2008 vakant ist. Vizepräsident, Präsident und Geschäftsführer bilden den Vorstand des Instituts. Der Vize vertritt den Präsidenten, was im konkreten Fall des größten deutschen Wirtschaftsinstituts durchaus arbeitsintensiv sein kann, da Zimmermann nur rund ein Drittel seiner Arbeitszeit im DIW verbringt.

Im Institut sorgt die Nominierung von Kritikos für Unruhe – Zimmermann hatte ihn der Auswahlkommission vorgeschlagen. Zwar gibt es mit Christian Dreger, Leiter der Konjunkturabteilung, einen weiteren Bewerber, doch kommt ihm offenbar nur die Rolle eines Zählkandidaten zu. Für Unmut sorgt vielmehr der Umstand, dass mit Zimmermann, Kritikos und dem Geschäftsführer Alexander Fisher ein rein männlicher Vorstand das DIW führen würde. Das verträgt sich schlecht mit dem Berliner Gleichstellungsgesetz und den Gleichstellungsstandards der Leibniz-Gemeinschaft, der das DIW angehört.

Eine Alternative zu Kritikos wäre Claudia Kemfert, die einzige Abteilungsleiterin im DIW. Die Energieexpertin hielt sich am Montag auf Anfrage bedeckt, doch im Institut wurde eine Kandidatur von ihr nicht ausgeschlossen; das sei auch gegen den Willen Zimmermanns möglich, da dieser wegen der Finanzaffäre geschwächt sei. Zwar hat sich der Senat in seiner Stellungnahme für den Rechnungshof vor Zimmermann gestellt und dürfte diese Haltung auch bei den anstehenden Sitzungen von Wissenschafts- und Haushaltsausschuss im Abgeordnetenhaus beibehalten. Doch die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Zimmermann wegen des Verdachts auf Untreue. alf

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