Wirtschaft : Doktorhut für Praktiker

FH-Absolventen finden nur schwer Promotionsplätze.

Immer mehr Absolventen von Fachhochschulen (FH) promovieren. In den Prüfungsjahren 2009 bis 2011 verliehen die Universitäten 836 Akademikern mit FH-Abschluss einen Doktorgrad. Das sind 47 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2006 bis 2008. Das ergab eine Befragung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). „Die deutliche Zunahme zeigt, dass die Hochschulen in der Lage sind, pragmatisch und zielorientiert zu kooperieren“, sagt HRK-Präsident Horst Hippler.

FH-Absolventen müssen sich jedoch darauf einstellen, dass es häufig nicht reicht, einen guten Hochschulabschluss mitzubringen. „Es gibt immer noch Probleme mit der Zulassung“, sagt Rudolf Schmitt, Sprecher der „Fachgruppe Promotionsförderung nach FH-Abschluss“ der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA). Denn in Deutschland können Studenten nur an Universitäten oder gleichgestellten Privatinstituten promovieren.

FH-Absolvent Abdul Waheed, der derzeit in Elektrotechnik am Lehrstuhl für Mechatronik an der Uni Duisburg/Essen promoviert, sagt: „Ich musste fünf Prüfungen an der Universität nachholen“. Eine davon hatte er bereits an der FH bestanden, andere hatten nichts mit seiner Promotion zu tun. Waheed hat die Prüfungen bestanden – doch das war zeitraubend und aufwendig. Seinen Doktorvater hat er über einen Professor an seiner Fachhochschule kennengelernt. Die direkte Bewerbung an einer Uni wäre noch schwieriger gewesen: „Wieso sollte ein Professor einen FH-Absolventen betreuen, wenn er auch Studenten an der Uni als Doktoranden anstellen kann? Die Leute an der Uni kennt er – mich nicht.“

Eigentlich dürfte es diese Probleme nicht mehr geben. Mit dem Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) im April 2000 wurde der Zugang zur Promotion geregelt. Dort heißt es: „Master-Abschlüsse an Fachhochschulen und Universitäten sind gleichrangig“. Trotzdem müssten FH-Absolventen vor der Zulassung zum Promotionsstudium meist eine Qualifizierungsphase durchlaufen, sagt Patricia Schneider, Geschäftsführerin von Thesis, einem Netzwerk für Doktoranden. dpa

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