Wirtschaft : Dollar-Hoch hilft auch Berliner Wirtschaft

Export belebt sich / Außenhandel stützt deutschen Wirtschaftsaufschwung / Dollar legt Atempause ein

BERLIN(mot).Die Berliner Wirtschaft profitiert im Exportgeschäft zwar vom gestiegenen Dollar, hat aber zugleich unter verteuerten Importen, vor allem im Nahrungsmittelsektor zu leiden."Der Preisvorteil, den der Dollar den Berliner Betrieben beschert, wird bei internationalen Verkaufsgesprächen momentan ausgespielt", erklärte Egbert Steinke, Sprecher der Industrie- und Handelskammer, am Dienstag.Der Kurs der amerikanischen Währung sei ein zentrales Thema auf allen Messen.Setze der Greenback seinen Höhenflug fort, müsse allerdings für die importabhängigen Branchen auf lange Sicht mit "ernstzunehmenden Erschwernissen" gerechnet werden.Insgesamt gebe aber die "Dollar-Stütze" den Berliner Unternehmen, die ihr Auslandsgeschäft in der amerikanischen Währung abrechnen, "erfreuliche Impulse", so Steinke. Im vergangenen Jahr exportierte die Berliner Wirtschaft laut statistischem Landesamt insgesamt Waren im Wert von 12,5 Mrd.DM, das waren 3,9 Prozent mehr als im Jahr zuvor.Waren für 5,5 Mrd.DM ­ rund 44 Prozent aller Ausfuhren ­ gingen dabei in Länder der Europäischen Union.Wichtigster Handelspartner außerhalb der EU waren die Nafta-Länder, in die Waren für zusammen rund 810 Mill.DM geliefert wurden.Der Export in die USA machte dabei 667 Mill.DM aus.Zahlen über das Volumen des gesamten in Dollar abgerechneten Außenhandels werden nicht erhoben.Legt man aber den Wert aller Güter zugrunde, die in die Nafta- und Asean-Länder sowie die übrigen nicht-europäischen Länder, meist in Übersee, ausgeführt werden, so summierte sich der Anteil im vergangenen Jahr auf 4,6 Mrd.DM.Mit einer Exportquote von etwa 10 Prozent lag Berlin deutlich hinter dem Bundesdurchschnitt von 20 Prozent."Der niedrige Exportanteil darf aber nicht überbewertet werden", mahnt Klaus-Hubert Fugger, Sprecher der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg.In Berlin seien viele Zulieferer und Niederlassungen ansässig, deren Exportproduktion über die westdeutschen Zentralen abgerechnet werde.Die Wirtschaft sei also strukturell weniger vom Export und der Dollarbewegung abhängig. Im gewerblichen Bereich Berlins profitieren Chemie, Maschinenbau und Elektrotechnik besonders von der Dollar-Hausse."Wir hören Stimmen aus den Berliner Unternehmen, die sagen: Die Dollar-Entwicklung ist Klasse", weiß Markus Gaier, Sprecher der BAO Berlin Marketing Service GmbH.Gleichwohl seien aufgrund der Entwicklung für die Berliner Export-Industrie noch keine "rosigen Zeiten" angebrochen.Vorsichtig optimistisch äußerte sich die Berliner Hotel- und Gaststätteninnung."Der Wechselkurs ist nur das Sahnehäubchen einer Reise nach Berlin", sagte Geschäftsführer Karl Weißenborn.Touristen aus dem Dollar-Raum ließen sich nicht allein von der billigen D-Mark motivieren. Die deutsche Wirtschaft insgesamt hat im Mai dieses Jahres erneut einen deutlichen Überschuß im Außenhandel erzielt.Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte, übetrafen die Ausfuhren mit 70,8 Mrd.DM den Vorjahresstand um 9,7 Prozent, seien im Vergleich zum Vormonat (73,3 Prozent) aber leicht gesunken."Der gestiegene Dollar hilft uns im Auslandsgeschäft", kommentierte der Chefvolkswirt des Verbandes Deutscher Maschinen- und und Anlagenbau, Herbert Kriegbaum.Die Branche verzeichnete im Juni ein Auftragsplus von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Der Höhenflug des Dollars wurde am Dienstag vorerst gestoppt.Beim amtlichen Fixing notierte der Greenback bei 1,8352 DM nach 1,8461 DM am Montag.

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