Wirtschaft : Dosen-Pfand: Umweltschutz taugt nicht als Strafarbeit

Antje Sirleschtov

So wird Umweltpolitik in Deutschland betrieben: Weil die Bundesregierung nicht willens und in der Lage ist, ihre politischen Ziele im Konsens mit der Industrie durchzusetzen, werden die Verbraucher mit Zwangsmaßnahmen bestraft. Von Januar an, droht Umweltminister Jürgen Trittin, müssen die Deutschen ihr gesamtes häusliches Müll-Trennungssystem umkrempeln. Nicht nur Pappe, Bio- und Verpackungsmüll werden dann aussortiert und in getrennten Eimern gehortet. In den Küchen muss auch noch Platz für separate Behälter zur Sammlung von Mehrwegflaschen und Einwegflaschen geschaffen werden. Und damit die Strafe auch wirkt, sind mindestens 50 Pfennige Pfand für Coladosen und Wasserflaschen aus der Haushaltskasse vorzustrecken. Wir ahnen bereits, wann erste Bürgerinitiativen entnervt im Kollektiv ihren Müll vor Trittins Ministerium abkippen werden. Denn unsensibel sind die Verbraucher nicht. Gegen Umweltschutz haben sie nichts einzuwenden, überbordenden Bürokratismus beantworten sie mit Totalverweigerung. Die Einführung eines Zwangspfandes auf Einwegverpackungen, davor warnen nicht ohne Grund Naturschutzverbände, wird die ökologische Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nicht erhöhen. Wahrscheinlich wird die Pfandregelung am Ende gerade den Mehrwegflaschen schaden, zu deren Schutz sie eigentlich gedacht war. Auch das prophezeien Gutachter dem regelungswütigen Umweltminister seit Langem. Denn die Getränkehändler werden sich für ein Rücknahmesystem entscheiden. Und man darf angesichts der Beliebtheit von Dosen vermuten, dass die Entscheidung kaum für das Mehrwegsystem ausfallen wird.

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