Wirtschaft : Dresdner Bank: Verlust im operativen Bankgeschäft

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Die Dresdner Bank ist nach Auffassung von Analysten mit einem Verlust im Bankgeschäft unter das Dach der Allianz geschlüpft. Das Geldhaus stehe operativ "unter Wasser", heißt es in Frankfurter Bankerkreisen, nachdem das Geldinstitut jetzt die detaillierten Zahlen für das erste Halbjahr vorgelegt hat. Finanzchef Bernd Voss beteuert allerdings, dass es in den ersten sechs Monaten eine "schwarze Null" gegeben habe.

Auf dem Papier weist das Geldhaus vor Steuern einen Gewinn von 616 Millionen Euro aus, 13 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Nach Steuern ist der Überschuss sogar um 46 Prozent von 413 auf 604 Millionen Euro gestiegen. Analysten verweisen auf hohe steuerneutrale Erträge aus Beteiligungsverkäufen von rund 650 Millionen Euro und einem Rückgang des Steueraufwandes von 286 Millionen auf acht Millionen Euro. Daraus lasse sich auf einen Verlust im operativen Bankgeschäft schließen.

Tatsächlich hat die Dresdner Bank, bedingt durch die schwache Verfassung der Börse, beim Provisionsüberschuss einen Rückgang um fast 11 Prozent auf gut zwei Milliarden Euro hinnehmen müssen. Das Ergebnis im Eigenhandel mit Wertpapieren, Devisen und Edelmetallen rutschte um 18 Prozent auf 750 Millionen Euro. Vor allem aber litt die Bank unter den drastisch gestiegenen Kosten. Der Verwaltungsaufwand kletterte um 18,6 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Verantwortlich dafür ist vor allem das US-Investmenthaus Wasserstein Perella, dass die Dresdner Bank Anfang des Jahres übernommen hatte. Es habe bisher deutlich höhere Kosten verursacht als Erträge gebracht, räumt Finanzchef Voss ein.

Auch die im Frühjahr 2000 gescheiterte Fusion mit der Deutschen Bank hinterlässt bei der Dresdner Bank deutliche Spuren: Die damals vereinbarten so genannten Halteprämien für Führungskräfte verschlangen im ersten Halbjahr 2001 nach Angaben von Voss 870 Millionen Euro.

Eine konkrete Prognose für das gesamte Geschäftsjahr 2001 wagt der Vorstand der Dresdner Bank im jüngsten Aktionärsbrief nicht. Der verweist lediglich auf die fortschreitende Integration der Bank in den Allianz-Konzern, was beträchtliche Synergien bringe, und auf die Maßnahmen zur Kostensenkung. Bereits im Juli hatte die Bank angekündigt, im Investmentbanking etwa 1500 Arbeitsplätze zu streichen und jährlich rund 500 Millionen Euro einzusparen.

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