Wirtschaft : Dresdner Bank zeigt Muskeln

Keine weitere Kapitalverflechtung mit Allianz / Strahlende Neun-Monats-Bilanz

FRANKFURT (MAIN)(ro).Dresdner Bank-Vorstandssprecher Jürgen Sarrazin wird nicht vorzeitig zurücktreten.Dies betonte der Banker am Donnerstag auf der Herbstpressekonferenz.Die übrigen Mitglieder des Vorstandes hätten ihn einmütig gebeten, bis zur Hauptversammlung im Mai im Amt zu bleiben.Sarrazin hatte im Spätsommer nach offenbar heftiger interner Kritik seinen Rücktritt für das Frühjahr 1998 angekündigt.Nachfolger wird Bernhard Walter. Sarrazin lehnte es gestern ab, zu Spekulationen über Veränderungen im Vorstand Stellung zu nehmen.Er werde keine Namen nennen, es werde aber 1998 "zwei bis vier" neue Mitglieder im Führungsgremium der Bank geben.Die Berichte über Querelen im Vorstand nannte der Vorstandssprecher "teilweise verzerrt".Die Bank bleibe ein "entscheidungsstarkes Haus, das jederzeit in der Lage ist, die Weichen für die Zukunft richtig zu stellen".Die Strategie des Instituts werde nach wie vor einstimmig vom Vorstand festgelegt.Am Donnerstag fehlte allerdings Hans Adenauer, der Mitte Oktober um seine Entlassung gebeten hatte.Da das Gremium erst wieder Ende November tagt, ist Adenauer formal noch Vorstandsmitglied, er hat die Arbeit aber offenbar bereits niedergelegt.Adenauer hatte sich per Selbstanzeige der Steuerhinterziehung bezichtigt und muß angeblich 400 000 DM nachzahlen.Sarrazin lehnte es auch ab, zu den Vorwürfen der Steuerfahnder Stellung zu nehmen, obwohl die Ermittler nun berichteten, ein "Transfersystem" bei der Dresdner Bank entschlüsselt zu haben. Auch mit Blick auf die geplante Übernahme der Advance Bank wies Sarrazin Kritik zurück.Dies sei kein Strategiewechsel für das Direktbank-Geschäft.Vor rund einem Jahr hatte die Dresdner Bank eine eigene Projektgesellschaft gegründet, die eine "Bank völlig neuen Typs" aufbauen sollte.Jetzt werden die Advance Bank, die bisher zur Bayerischen Vereinsbank gehörte, und die Projektgesellschaft zusammengefaßt."Die Advance Bank stellt eine ideale Ergänzung zu unserer im Aufbau befindlichen Direktbank dar", betonte Sarrazin.Details über das völlig Neue der Bank verriet er nicht. Sarrazin betonte auch, daß sich die Dresdner Bank ihre Unabhängigkeit bewahren werde.Die Allianz, die knapp 22 Prozent der Aktien hält, bleibe ein wichtiger Partner.Es werde aber keine stärkere gegenseitige Kapitalverflechtung geben.Nur die Zusammenarbeit werde ausgeweitet, etwa auf die Vermögensverwaltung oder den Bausparkassen- und den Immobilienbereich. Sein letztes Jahr an der Spitze der Bank kann Sarrazin offenbar mit einem Rekordergebnis beenden.Nach neun Monaten ist das Betriebsergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 25,5 Prozent auf 2,37 Mrd.DM gestiegen.Dank der guten Börsenlage kletterte der Überschuß im Provisionsgeschäft um fast 36 Prozent auf 3,8 Mrd.DM.Im Eigenhandel verdiente die zweitgrößte deutsche Geschäftsbank sogar 77 Prozent mehr.Unter dem Strich waren es 808 Mill.DM und damit schon 20 Prozent mehr als im gesamten Jahr 1996.Mit diesem Zahlen sei man sehr zufrieden, betonte Sarrazin.Insgesamt dürfte am Jahresende nicht nur wegen gut laufender Geschäfte noch mehr herausspringen.Dazu kommt ein Gewinn von 600 Mill.DM aus dem Verkauf der Anteile am Chemiekonzern Degussa.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar