Wirtschaft : Duty Free-Kunden werden zu Schnäppchenjägern

SIMONE ZELL

BERLIN . Zigaretten, Whisky und Parfum - die beliebten Mitbringsel können von Reisenden innerhalb der Europäischen Union nur noch am heutigen Mittwoch im Duty Free-Handel erworben werden. Nach Beschluß der Europäischen Kommission vom 4. Juni ist es vom 1. Juli an mit dem zollfreien Einkauf bei Reisen innerhalb der EU vorbei. Das gilt auch für die Berliner Flughäfen. Die dortigen Betreiber, die Gebrüder Heinemann, wollen mit neuen Geschäftsideen und Werbekampagnen die Umsätze stabil halten."Viele Touristen schlagen in diesen Tagen noch einmal kräftig zu", sagt die Verkäuferin Anke Kusch im Flughafen Tegel. Sie arbeitet seit drei Jahren in einem Duty Free-Shop auf dem Flughafen und kennt ihre Stammkunden, zumeist Vielflieger. Einer von ihnen ist Geschäftsmann Hans Töfflinger, der bisher mindestens einmal wöchentlich zollfreie Waren kaufte. Diesmal legt er zwei große Flakons Parfum und eine Stange Zigaretten in seine Tüte. "Ich will mich noch einmal etwas eindecken", sagt Töfflinger.So wie er kaufen viele Reisende vor dem 1. Juli noch einmal einen kleinen Zigarretten-Vorrat zum niedrigen Preis. Nach der neuen Richtlinie der EU dürfen zollfreie Zigaretten für Reisende innerhalb der EU nicht mehr angeboten werden. Wer jedoch eine Bordkarte nach Polen, Nordafrika, die Schweiz oder die Türkei vorlegt, der kann auch weiterhin von günstigen Preisen profitieren. Auch Touristen, die auf die kanarischen Inseln fliegen, sind von den neuen europäischen Regeln nicht betroffen.Den Mallorca-Urlauber mit der Stange Zigaretten im Gepäck werde es bald zwar nicht mehr geben, aber vielleicht werden die Fluggäste nun stattdessen mehr Geld für Parfum oder Spirituosen ausgeben, hofft der Betriebsleiter der Tempelhofer und Tegeler Shops, Helfried Konrad. Er trägt einen roten Anstecker, auf dem mit großen Lettern "Duty Free geht weiter" und "Travel Value" steht. Der auffällige Button gehört zur Werbekampagne der Hamburger Gebrüder Heinemann, die neben Berlin unter anderem auch die Flughäfen Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg, Köln, Leipzig und Dresden mit zollfreien Waren versorgen. Mit Anstecknadeln und Handzetteln wollen sie ihre Kunden auf die Veränderungen im zollfreien Handel aufmerksam machen. Die Nachricht: Eigentlich bleibt alles beim alten. Angeblich können Schnäppchenjäger nämlich auch nach dem 1. Juli noch auf den Flughäfen fündig werden. Kosmetika, Accessoires und Spirituosen sollen günstig bleiben, Sonderangebote und neue Waren im Sortiment die Umsatzeinbrüche auffangen. Außerdem werden die Gewinnmargen gekappt und der Firmenname geändert: Statt Duty Free-Shops heißen die Flughafen-Geschäfte bald Travel Value-Shops. "Ob unsere Rechnung aufgeht, können wir frühestens in einem Monat sagen", sagt Konrad. Erst einmal werde jedenfalls keiner der insgesamt 32 Berliner Beschäftigten den Job verlieren.Konrad und die Gebrüder Heinemann müssen reagieren, schließlich machten allein in Tegel die Tabakwaren 25 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Fast 60 Prozent aller Reisen gehen hier in andere EU-Länder und fallen unter die neuen Regeln zum Flughafenverkauf. Weniger Probleme hat da Berlin-Schönefeld, denn von hier starten hauptsächlich Flieger nach Mittel- und Osteuropa sowie nach Tunesien und in die Türkei. Und nicht alle Kunden sehen das Ende des zollfreien Verkaufs so wie Vielfliegerin Ingrid Schmidt: "Ob zollfrei oder nicht, ich werde mir auch weiterhin etwas Schönes von meinen Reisen mitbringen."

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