Wirtschaft : E-Business: Mehr Geld für E-Commerce-Projekte

Die führenden deutschen Unternehmen wollen entgegen dem Trend in den Vereinigten Staaten weiter kräftig in das Internet investieren. Nach einer Umfrage des Handelsblatts stellt keiner der im Dax 30 notierten Konzerne wegen der konjunkturellen Abschwächung seine Budgets für das E-Business in Frage. Im Gegenteil: Da viele Firmen ihre Investitionspläne erst im Laufe des vergangenen Jahres beschlossen oder aufgestockt haben, werden sie in diesem Jahr mehr Geld für E-Commerce-Projekte ausgeben als 2000. Nach der Umfrage werden allein die Dax-30-Unternehmen in diesem Jahr mehrere Milliarden Euro für die Ausrichtung ihrer Geschäfte auf das Internet ausgeben.

Eine europaweite Studie vom Investmenthaus Morgan Stanley Dean Witter kommt zu dem Ergebnis, dass die Krise der Internetfirmen (Dotcoms) das Investitionsverhalten der Großkonzerne nur wenig beeinflusst. "Der weitaus größte Teil der E-CommerceBudgets deutscher Unternehmen wird in den kommenden Jahren in den B2B-Bereich fließen - also Geschäfte zwischen Unternehmen im Internet", meint Ross MacMillan von der Investmentfirma.

Vor allem die Banken investieren

Tempo beim E-Business machen vor allem die Finanzinstitute. Allein die Deutsche Bank will dieses Jahr rund 500 Millionen Euro in E-Commerce-Projekte stecken. Der Konkurrent Commerzbank plant, bis 2002 rund eine Milliarde Euro auszugeben. Nicht viel geringer sind die Beträge bei anderen Finanzinistituten. Aber auch für die übrigen Branchen ist E-Commerce keine Modeerscheinung. Die befragten Firmen bezeichneten die Projekte durchweg als Schlüsselinvestitionen für die Zukunft. Ausschlaggebend seien "strategische Gesichtspunkte, nicht konjunkturelle Schwankungen", bringt die BASF die Motive auf den Punkt. Das entsprechende Budget des Ludwigshafener Chemieriesen sieht bis 2002 insgesamt 75 Millionen Euro vor.

Viele Unternehmen wollen gerade wegen der drohenden konjunkturellen Abschwächung massiv ins Onlinegeschäft investieren, da sie sich davon eine höhere Effizienz versprechen. So hofft MAN, sich durch E-Commerce auf der Kostenseite für schlechtere Zeiten wappnen zu können. Ähnliche Motive treibt auch die Automobilbranche ins Netz. Allein Daimler-Chrysler steckt in einem ersten Schritt 550 Millionen Euro in die Ausrichtung des Unternehmens auf das Internet. Der Löwenanteil davon fließt in B2B-Projekte. Hervorstechendes Beispiel ist die Internetplattform Covisint, auf der die Stuttgarter zusammen mit anderen Automobilherstellern ihren Einkauf von Zulieferteilen konzentrieren wollen.

Auch die Deutsche Telekom will ihren Einkauf durch den Aufbau eines elektronischen Marktplatzes optimieren. Rund die Hälfte des jährlichen Einkaufsvolumens von etwa zehn Milliarden Euro will der Telekommunikationsriese künftig über die Onlineplattform T-Mart abwickeln. Der Einzelhandel investiert dagegen vor allem in das Geschäft mit dem Endverbraucher - Business to Consumer (B2C). Der Karstadt-Quelle-Konzern zum Beispiel steckt bis 2004 rund 250 Millionen Euro in den Bereich E-Commerce.

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