Wirtschaft : E-Plus will nicht kuscheln

Keine Einigung im Streit um billigere Handytarife

Corinna Visser

Berlin - Der Mobilfunkbetreiber E-Plus wehrt sich gegen die Anfeindungen seiner Konkurrenten, will aber beim Streit um billigere Mobilfunktarife nicht nachgeben. „Wir sind nicht mehr gute Freunde“, sagte E-Plus-Geschäftsführer Thorsten Dirks im Gespräch mit dem Tagesspiegel. „Wir wollen die Branche aus der Kuschelecke holen: Mobiles Telefonieren soll billiger werden, damit die Nutzung steigt. Davon würden am Ende alle profitieren.“ E-Plus macht dazu eine eigene Rechnung auf: Im Schnitt „subventioniere“ jeder der rund 74 Millionen Handynutzer in Deutschland die Unternehmen T-Mobile und Vodafone mit 15,60 Euro im Jahr, sagte Dirks.

Bei dem Streit geht es um die Terminierungsentgelte. Das ist das Geld, das ein Netzbetreiber an einen anderen bezahlen muss, wenn er ein Telefongespräch aus seinem Netz in das andere weiterleitet. Dafür verlangen die Mobilfunkbetreiber nach Meinung der EU-Kommission und der Bundesnetzagentur viel zu viel. Niedrigere Preise würden Anrufe zum Handy billiger machen. Aktuell nehmen die großen Betreiber T-Mobile und Vodafone elf Cent pro Minute, die kleineren E-Plus und O2 dürfen 12,4 Cent verlangen, da sie später am Markt waren und höhere Netzkosten haben.

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, hatte die Branche aufgefordert, sich auf einen Preis unter zehn Cent zu einigen. E-Plus hatte in den Gesprächen eine deutlich stärkere Senkung als die anderen verlangt und damit eine Einigung verhindert. Jetzt droht Kurth mit einer Regulierung des Mobilfunks –, was die anderen Unternehmen veranlasste, E-Plus „Wegelagerer“ zu nennen (T-Mobile) oder die Haltung als „kontraproduktiv“ (O2) zu bezeichnen.

„Wir wollen einen fairen Wettbewerb“, sagte Dirks. Nach den Vorstellungen von E-Plus entsprechen fünf Cent für die großen und neun Cent für die kleinen Netzbetreiber den tatsächlichen Kosten. Dazu hatte E-Plus ein Gutachten in Auftrag gegeben. Würden die Terminierungsentgelte auf diese Werte gesenkt, ergebe sich die genannte Summe von 15,60 Euro pro Jahr und Nutzer, die nach Meinung von E-Plus derzeit zu viel an die großen Netzbetreiber bezahlt werden. Die ziehen mit zusammen 60 Millionen Kunden den meisten Verkehr auf sich. „Wenn wir Signale bekommen, dass die anderen bereit sind, in unsere Richtung zu gehen, verhandeln wir wieder“, sagte Dirks. Das sehe er aber nicht. Darum hofft er auf die Regulierung. „Wenn die Terminierungsentgelte sinken“, sagt er, „könnten wir eine Flatrate für alle Gespräche in Deutschlands anbieten. Sie müsste nicht nur auf das eigene und das Festnetz beschränkt bleiben.“

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