EADS : A400M: Kosten außer Kontrolle

Prüfbericht wirft EADS Missmanagement vor

Düsseldorf - Die Kostenexplosion beim Bau des Militär-Airbus A400M beruht überwiegend auf Managementfehlern des EADS-Konzerns. Das ist das Ergebnis eines streng vertraulichen Berichts der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PWC), der dem „Handelsblatt“ vorliegt. Darin heißt es, das Rüstungsunternehmen habe seit Jahren bei der Entwicklung und Produktion des Fliegers keine Kontrolle über die Kosten des 20-Milliarden-Projekts ausgeübt. Die tatsächlichen Kosten des Baus des A400M seien „Jahr für Jahr permanent und erheblich“ unterschätzt worden.

Der Prüfbericht, den die sieben Abnehmerstaaten in Auftrag gegeben haben, schwächt die Verhandlungsposition von EADS im Poker mit den Käufern. Die wollen 180 Maschinen zum Fixpreis von 20 Milliarden Euro erwerben. EADS fordert allerdings 5,2 Milliarden Euro zusätzlich – aufgrund aufgelaufener Mehrkosten.

Insbesondere Deutschland, das 60 Maschinen kaufen will, sieht sich durch den Prüfbericht in seiner harten Linie gegenüber EADS bestätigt. „Der Bericht dokumentiert die Unverschämtheit der EADS-Forderung. Ich ermuntere die Bundesregierung, dem Unternehmen keine zusätzlichen Gelder anzubieten“, sagte SPD-Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels dem Handelsblatt. Am Donnerstag treffen sich Regierungsvertreter der Vertragsstaaten mit EADS, um einen Kompromiss auszuhandeln.

Intern bezeichnet EADS die entstandenen Mehrkosten als existenzgefährdend und droht die Einstellung des Projekts an, sollten die Staaten nicht bereits sein, die entstandenen Mehrkosten zu zahlen. In diesem Fall sehen die Wirtschaftsprüfer von PWC die EADS-Überlebenschancen gefährdet. „Den Vertrag nicht zu halten dürfte für EADS die schwerwiegendsten Folgen haben“, heißt es. Denn dann könnten Regressforderungen der Vertragsstaaten in Milliardenhöhe anstehen. Rüdiger Scheidges

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