EADS : Lösung im Streit um Staatseinstieg

Im Streit um eine mögliche Beteiligung des Bundes beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS haben die Bundesregierung und Daimler-Chrysler offenbar eine Lösung gefunden.

Düsseldorf/Paris - Ein privat geführtes Investorenkonsortium unter Beteiligung von Landesbanken und der Staatsbank KfW werde sich indirekt am Airbus-Mutterkonzern beteiligen, berichtete die "Wirtschaftswoche" vorab. Ein direkter Einstieg der KfW sei vom Tisch. Unterdessen nimmt die Unzufriedenheit bei den Airbus-Kunden zu: Die Fluggesellschaft Emirates bestellte zehn Flugzeuge vom Typ A340-600 ab. Die britische Airline Virgin Atlantic will die bestellten Maschinen des Riesen-Airbus A380 erst vier Jahre später als geplant abnehmen.

Das nun geplante Modell für einen teilweisen Einstieg des Bundes bei EADS sichere den Anschein einer privatwirtschaftlichen Führung, signalisiere Frankreich aber das deutsche Interesse an einem Gleichgewicht im EADS-Konzern in "symbolisch politischer Form", zitierte die "Wirtschaftswoche" Regierungskreise. EADS wolle den Bericht nicht kommentieren. Daimler-Chrysler ist neben dem französischen Staat und der französischen Industriegruppe Lagardère Hauptaktionär bei EADS. Der Autokonzern hält 22,5 Prozent an dem Konzern, möchte diesen Anteil aber auf 15 Prozent reduzieren.

Plan, der alle berücksichtigen soll

Der wirtschaftspolitische Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Jens Weidmann, habe in Verhandlungen mit Daimler-Chrysler-Vorstand Rüdiger Grube und EADS-Verwaltungsratschef Manfred Bischoff einen Plan ausgearbeitet, der die Probleme aller Beteiligten löse, berichtete die "Wirtschaftswoche". Demnach soll die Daimler-Chrysler-Tochter Dasa, an der auch die Stadt Hamburg, die Familie Dornier und die Messerschmitt-Stiftung Anteile halten, eine so genannte Wandelanleihe ausgeben, die an das Konsortium verkauft würde. Daimler-Chrysler bekäme so mehr Geld in die Kasse als durch einen Verkauf seiner EADS-Anteile an der Börse, behielte aber während der Laufzeit der Anleihe alle Stimmrechte.

Bundeskanzlerin Merkel will sich laut dem Magazin in den kommenden Tagen mit den beiden Konzernchefs Tom Enders und Louis Gallois in Berlin treffen. Eine Regierungssprecherin sagte in Berlin, "die Gespräche über eine tragfähige Lösung für EADS sind noch nicht abgeschlossen". Die Bundesregierung habe jedoch ihre Prioritäten deutlich gemacht.

Erste Kunden springen ab

Unterdessen springen der kriselnden EADS-Tochter Airbus die ersten Kunden ab. Emirates bestellte zehn Maschinen des bisher größten in Dienst gestellten Airbus A340-600 ab. Wie Emirates-Chef Tim Clark bei einem Besuch am Londoner Flughafen Heathrow sagte, wurde auch die Option für zehn weitere Maschinen des Typs mit Platz für bis zu 419 Passagiere storniert. Clark hielt außerdem neue Verzögerungen bei der Auslieferung des größten Passagierflugzeugs der Welt für möglich. Airbus hatte Anfang Oktober zum dritten Mal die Lieferung des A380 verschoben. Emirates hat 43 Super-Airbus bestellt und ist damit größter Kunde.

Die Lieferung des Super-Airbus A380 an die britische Fluglinie Virgin Atlantic wurde um rund vier Jahre verschoben. Virgin Atlantic habe mit Airbus eine grundsätzliche Übereinkunft geschlossen, dass die sechs bestellten Großraumflugzeuge erst bis 2013 geliefert würden, teilte eine Sprecherin der Fluggesellschaft mit. Ursprünglich war ein Liefertermin für 2009 vereinbart worden. Während der verlängerten Wartezeit könne sich der A380 schon mehrere Jahre lang im Flugbetrieb beweisen, sagte die Sprecherin weiter. (tso/AFP)

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