Wirtschaft : Eckes bleibt beim Edelkirsch

Spirituosen-Marktführer will Alkoholsparte doch nicht an Berentzen verkaufen, aber Expansion bei Fruchtgetränken fortsetzen

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Berlin (avi). Eckes Edelkirsch und Berentzen Saurer Apfel werden auch in Zukunft in unterschiedlichen Häusern hergestellt. Die Eckes AG hat am Montag bekannt gegeben, dass sie die Suche nach einem Abnehmer ihrer Alkoholsparte aufgegeben hat. Nach Informationen des „Handelsblatts“ hatte Eckes zuletzt mit der BerentzenGruppe verhandelt. Man habe nach Monaten intensiver Verhandlungen mit mehreren Interessenten „letztlich keine befriedigenden Lösungen gefunden“, hieß es bei Eckes. Vor allem beim Preis habe man sich nicht einigen können, sagte Eckes-Sprecher Dieter Wingenfeld. Hintergrund ist ein Wandel der Trinkgewohnheiten, der für Saft und Nektar bessere Wachstumschancen erwarten lässt als für Schnaps und Likör.

Nach Handelsblatt-Informationen soll die börsennotierte Berentzen-Gruppe für die Eckes-Sparte am Ende weniger als 150 Millionen Euro geboten haben – zu wenig für Eckes-Vorstandschef Herbert Verse. Eckes hatte ursprünglich seine Alkoholsparte abgeben wollen, um im Bereich Fruchtgetränke weiter zu expandieren. Die Eckes AG aus Nieder-Olm bei Mainz ist deutscher Marktführer bei Spirituosen und sieht sich als europäische Nummer Eins bei Fruchtgetränken. Zuletzt wuchsen die Umsätze mit alkoholfreien Getränken wesentlich stärker als mit Spirituosen.

2002 war der Eckes-Umsatz im Jahresvergleich um acht Prozent auf 1,35 Milliarden Euro gestiegen. Der Bereich alkoholische Getränke wuchs um 1,1 Prozent auf 675 Millionen Euro. Fruchtgetränke legten dagegen sogar um 18 Prozent auf 677 Millionen Euro zu. Auch der Gewinn sei deutlich verbessert worden, berichtete Eckes, ohne Zahlen zu nennen.

Der Eckes-Betriebsrat zeigte sich erfreut, dass die Firma weiterhin Spirituosen brennen will. Er hatte sich stets gegen einen Verkauf der Alkoholsparte gewandt. Betriebsratschef Uwe Michalski hatte befürchtet, dass bis zu 200 Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen könnten. „Wir werden heute Abend einige Flaschen Freixenet köpfen“, sagte Michalski dem Tagesspiegel. Der spanische Sekt gehört zu den bekannteren Eckes-Marken, wie auch Mariacron, Chantré oder Nordhäuser Doppelkorn. Im Fruchtgetränkebereich ist Eckes mit den Marken Granini, Hohes C, La Bamba und verschiedenen europäischen Marken vertreten.

Die Verhandlungen über die Alkoholsparte sollen schon mehrmals kurz vor einem Abschluss gestanden haben. Als Kandidaten waren der italienische Getränkehersteller Campari und die Sektkellerei Henkell & Söhnlein im Gespräch. Als Eckes im vergangenen Oktober überraschend angekündigt hatte, sich von der Alkoholsparte zu trennen, hieß es, es fehle das Geld, um in beiden Bereichen im gewünschten Umfang expandieren zu können. Doch Eckes will nun dennoch weiter expandieren, kündigte Unternehmenssprecher Wingenfeld an. Man werde nicht vollständig mit eigenen Mitteln expandieren, sondern mit den Banken über „kreative Finanzierungswege“ sprechen.

Die niedersächsische Berentzen AG wäre mit der Übernahme der Eckes-Marken von Nummer Zwei zur Nummer Eins der Spirituosenhersteller in Deutschland aufgestiegen. In Haselünne wollte man Gespräche mit Eckes weder dementieren noch bestätigen. Auch der Produzent von Appelkorn, Bommerlunder und Puschkin-Wodka will weiter expandieren: Vor allem im internationalen Markt sowie im Gastronomiebereich, sagte Unternehmenssprecher Oliver Bartelt dem Tagesspiegel. Geplant sei aber auch der Einstieg in das wachstumsstarke Geschäft mit Wein und Sekt.

Die Deutschen trinken immer weniger Hochprozentiges und greifen aus Gesundheitsgründen öfter zu Saft. 1991 wurden nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes noch 1,9 Millionen Hektoliter Branntwein zu Trinkzwecken verbraucht. Pro Person waren das 2,83 Liter. Im vergangenen Jahr wurden nur noch 1,7 Millionen Hektoliter beziehungsweise 2,49 Liter pro Person konsummiert. Die Branche hofft nun, dass sich der Verbrauch stabilisiert, in letzter Zeit ging der Verbrauch weniger stark zurück. Bei Berentzen erklärt man sich das mit der Wiedervereinigung: Die Ostdeutschen hätten sich dem deutlich niedrigeren Schnapskonsum in den alten Ländern angenähert.

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