Wirtschaft : Edelfüller als Statussymbol

Pelikan wird 125 Jahre alt – Generationen von Schülern haben die Schreibwerkzeuge des Markenherstellers verwendet

Deike Diening

Der Füller für’s Volk kam 1960. Er funktionierte mit Patronen. Und die Jungs standen angeberisch auf dem Schulhof und sagten: Drei F’s verleiht man nicht – Frauen, Fahrzeuge und Füller. Bis dahin besaßen sie nur den Füller, häufig einen von Pelikan. Die Marke wird an diesem Donnerstag 125 Jahre alt.

Obwohl die Firma auch Kohlepapier, Stempelkissen und Malkästen produziert, verbinden die meisten die Marke mit dem klassischen Füller. Zuerst war es ein Kolbenfüller, dann ein Patronenfüller, sie haben Tintensichtfenster, sind für Linkshänder oder „transluzent“. „Als die Handys kamen, da wurde nur noch getippt“, sagt Horst Burghard, Sprecher der Firma in Hannover. „Da sagten die Leute: Ich benutze doch keinen Füllhalter, ich brauche einen Laptop.“ Und doch macht Burghard eine kleine Kehrtwende unter den Statussymbolen aus. 20 bis 50 Euro gäben Jugendliche inzwischen wieder für einen Füller aus, das Mittelfeld ist weggebrochen. Erst bei den teuren Schreibwerkzeugen stoßen wieder Menschen dazu, die, wie Burghard sagt, „wissen, dass ein Schreibgerät etwas mit Image zu tun hat.“ An dieser Stelle finge man auch die jüngere Generation wieder ein.

Die Entwicklungsschritte bei den Schreibgeräten sind kleiner geworden, sagt Burghard. Die großen Ingenieursleistungen, die nötig waren, 1929 einen Kolbenfüller oder 1960 den Patronenfüller zu entwickeln, sind Erfindungen gewichen, die man eher als Verbesserungen bezeichnen kann: Minen, die noch länger halten, noch mehr Tinte in noch kleineren Hülsen. Heute, sagt Burghard, finde viel mehr über das Design statt. Und Sammler horten die alten Originale, wie den schwarz-grünen „Souverän“.

In der Sanierungsphase nach einem Vergleich 1982 hatte sich das Unternehmen wieder auf seine Kernkompetenzen besonnen, die da sind Farbe, Schreibgeräte und Bürobedarf. Die übergeordnete Pelikan Holding residiert in Baar in der Schweiz, die Produktion in Vöhrum bei Peine. Die Firmenleitung und der Vertrieb sitzen mit 120 Leuten in einem frisch bezogenen Gebäude in Hannover. Vor den Fenstern liegen die Yachten der Segler auf dem Mittellandkanal. Auch Statussymbole. Wie kann man als Marke so alt werden? „Innovationsgeist“, sagt Horst Burghard. „Wir wären nie so alt geworden, wenn wir nur abgelebt hätten, was die Alten aufgebaut haben.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben