Wirtschaft : Editorial I: Japans Kampf für mehr Inflation

Aus dem Wall Street Journal. Übersetzt,ge

Der Kampf zwischen der Japan AG und der japanischen Zentralbank steuert auf seinen Höhepunkt zu. Schon seit Jahren bedrängt das Finanzministerium Notenbank-Chef Masaru Hayami, die Geldmenge drastisch zu erhöhen, um so der Tatsache entgegenzuwirken, dass Japan nicht unter einer Inflatoin, sondern unter dem Gegenteil leidet: Seit Jahren wird in Japan alles billiger. Die Verbraucher und Unternehmen kaufen nichts, weil sie glauben, dass Häuser, Autos und Investitionen noch billiger werden. Diesen Kreislauf hat die Notenbank bisher nicht durchbrechen können, obwohl sie keine Zinsen mehr für ihre Kredite verlangt.

Jetzt will die Liberale Parteil LDP die Notenbank per Gesetz zwingen, für Inflation zu sorgen. Damit sind sehr weitreichende Maßnahmen verbunden - und unerwünschte Nebeneffekte nicht auszuschließen.

Der Ausgangspunkt: Trotz der Null-Zins-Politik sinken seit zwei Jahren die Preise. Das ist ungewöhnlich genug ist. Denn die gewünschte Erhöhung der Geldmenge ist zwar eingetreten. Aber das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sinkt trotzdem. Das sind zwei Prozesse, die über einen längeren Zeitraum eigentlich nicht parallel zueinander auftreten können, weil die Notenbank ja das Geld entwertet, Unternehmen und Verbraucher deshalb ein Interesse haben müssten, es schnell auszugeben und damit das Wachstum anzuschieben. Haben sie aber nicht.

Am einfachsten lässt sich dies wohl mit einer geringeren Umlaufgeschwindigkeit des Geldes erklären, also der Häufigkeit, mit der Geld die Hände wechselt. Warum ist die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes in Japan gesunken? Wenn eine Privatperson oder ein Unternehmen Geld bei einer Bank einzahlt, wird dieses sofort verliehen. Dieses Darlehen wird in irgendeiner Weise investiert und findet seinen Weg zurück ins Bankensystem. Es wird abermals verliehen, und so weiter. Unter normalen Umständen kontrollieren die Notenbanken die Zahl dieser Vorgänge. Wenn sie Geld in Umlauf bringen oder abziehen, können sie sich den Effekt auf die gesamte Geldmenge ziemlich genau ausrechnen. Aber in Japan ist nichts normal. Pessimistische Geschäftsleute zeigen wenig Elan zu investieren. Besorgte Konsumenten geben ihr Geld nur widerwillig aus. Die Banken dagegen legen Kapital für die Abschreibung von Verlusten zurück und investieren in bombensichere Staatsanleihen statt in Startups, weil sie sich kaum vor schlechten Risiken retten können. Als Folge läuft die Kreditbeschaffung, der Motor des Wirtschaftswachstums, auf Sparflamme.

Banken sind die Schnittstelle, an der Geldpolitik die Wirtschaft beeinflusst. Diese Schnittstelle ist defekt. Zur Reparatur braucht es harte Maßnahmen, weil die Banken selbst zum großen Teil überschuldet und praktisch handlungsunfähig sind. Die Befürworter der festen Inflationsziele argumentieren, dass die Schaffung von Inflationserwartungen für einen schnellen Aufschwung der Wirtschaft sorgen werde. Aber man sollte sich die Frage stellen, ob Japans Deflation tatsächlich nur ein psychologisches Problem ist. Die japanische Deflation ist vor allem ein geldpolitisches Phänomen, das nach einer geldpolitischen Lösung verlangt. Und damit sind wir wieder bei der defekten Schnittstelle, den Banken. Die Bank von Japan könnte, indem sie in nichtstaatliche Vermögenswerte wie Aktien investiert und künstlich für Inflation sorgen. So sieht es das angekündigte Gesetz vor. Doch hat man sie einmal ausgelöst, ist eine Inflation nur schwer zu kontrollieren.

Die halbherzige Bankenreform von Premierminister Junichiro Koizumi hat bisher jedoch nicht viel zur Lösung der Probelme beigetragen. Es steht wesentlich mehr in seiner Macht, den Geist der Wirtschaft zu wecken - wie Steuersenkungen und einfachere Investitionssysteme. Jedenfalls verspricht das Lostreten einer Inflation ohne solche Maßnahmen keine schnelle Gesundung des Landes. Jeder Versuch der LDP, der Bank von Japan per Gesetz eine Aktienkauforgie zu verordnen, ist ein Risiko, von dem man besser die Finger lässt.

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