Wirtschaft : Ehrenkodex für Top-Berater

Strikte Regeln bei Booz Allen

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Die Kostenexplosion bei der Entwicklung des Internetportals der Bundesagentur für Arbeit hat die Diskussion um Transparenz bei Ausschreibungen und die Rolle der Berater neu entfacht. KlausPeter Gusthurst, Deutschland-Chef der Beratungsfirma Booz Allen Hamilton, führt die Probleme wie auch die öffentliche Debatte darauf zurück, dass es in Deutschland zu wenig Erfahrungen mit der Beratungstätigkeit für staatliche Einrichtungen gebe. Deshalb hält Gusthurst einen gemeinsamen Verhaltenskodex durchaus für sinnvoll, allerdings nur auf Ebene der Top-Berater.

Booz Allen Hamilton setzt nach seinen Angaben lieber auf seine internen Standesregeln, die in jahrzehntelangen Erfahrungen vor allem in den USA entwickelt worden seien. Die Beraterbranche, so Gusthurst, sei auch viel zu differenziert für solche gemeinsamen Regeln. „Hier geht die öffentliche Debatte auch zuweilen in die falsche Richtung, weil Strategieberater und Lobbyisten in einen Topf geworfen werden“.

In den USA seien Aufträge von Behörden und Verwaltungen an private Berater überhaupt kein Thema. Solche Aufträge würden dort als Selbstverständlichkeit angesehen, weil „sie helfen, die Effizienz dieser Einrichtungen zu steigern“. Booz Allen Hamilton hat nach Gusthursts Angaben strikte interne Verhaltensrichtlinien. Dieses „Statement of Professional Values, Policies and Practices“ sei auch in Deutschland Grundlage der Verträge mit der öffentlichen Hand. „Wir würden uns beispielsweise nicht bewerben, wenn wir zugleich die Ausschreibung organisiert haben“, sagte Gusthurst dem Tagesspiegel. Auch sei es Aufgabe eines professionellen Beraters, einem Kunden, der zu enge Zeitvorgaben setzt, zu sagen „das geht nicht“.

Andere führende Beratungsunternehmen für den öffentlichen Sektor hatten sich im Zusammenhang mit dem Streit um Beraterverträge für das Verteidigungsministerium und die Bundeswehr oder für die Bundesagentur für Arbeit schon für gemeinsame Verhaltensregeln der Branche ausgesprochen. So plädiert Jobst Fiedler, Partner der Beratungsfirma Roland Berger, für eine Selbstverpflichtung aller Berater, insbesondere wenn es um Aufträge der öffentlichen Hand geht. Es müsse interne Regeln geben, wie sich die Berater im Umgang mit Verwaltungen korrekt verhalten. Auch Roland Berger verfügt nach eigenen Angaben über einen solchen Kodex. fo

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