Wirtschaft : Eichel sieht Trendwende bei der Konjunktur

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Deutschland steht nach Ansicht von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) vor einem neuen Wirtschaftsaufschwung. Jüngste Indikatoren wie der Auftragseingang, die Produktion im Dezember und die verbesserte Stimmung in der Industrie deuteten dies an, sagte Eichel bei der Eröffnung der weltgrößten Konsumgütermesse "Ambiente" am Freitag in Frankfurt. "Wir sind in der Talsohle, von da an geht es aufwärts."

Bis Jahresende könnte das Wirtschaftswachstum eine Dynamik erreichen, die auf Jahresraten hochgerechnet Werte von rund drei Prozent entsprechen würden, sagte Eichel mit Bezug auf Prognosen der EU-Kommission und der Organisation für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD).

Mit dem zum Jahresbeginn erhöhten Kindergeld, den niedrigen Zinsen, der sinkenden Inflationsrate, dem gesunkenen Ölpreis und weiteren Steuersenkungen ab Anfang 2003 wird die Kaufkraft der Verbraucher nach Ansicht Eichels merklich erhöht.

Im Vergleich zu 1998 müssten Wirtschaft und Verbraucher in diesem Jahr 57 Milliarden Euro weniger an Steuern zahlen. Dadurch würden zwar die Schulden des Bundes weiter steigen. "Wir brauchen diese Steuerentlastung aber, um das Wirtschaftswachstum zu beschleunigen und um die Binnennachfrage zu stärken."

Die Stimmung auf der weltgrößten Konsumgütermesse und die deutliche Preissteigerung im Januar entspechen allerdings nicht ganz der Zuversicht des Finanzministers: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Inflation in Deutschland im Januar - dem ersten Monat nach der Euro-Einführung - auf 2,1 Prozent gesprungen. In den beiden Vormonaten hatte die jährliche Preissteigerungsrate nur 1,7 Prozent betragen. Allein von Dezember auf Januar zogen die Verbraucherpreise um 0,9 Prozent an, berichtete das Statistikamt am Freitag in Wiesbaden.

Auch auf der "Ambiente" äußerten sich viele Aussteller am Freitag eher verhalten und zeigten sich nur vorsichtig optimistisch. In etlichen Branchen sieht man im Gegensatz zu Eichel keine Stärkung der Konsumbasis, sondern eine Abschöpfung von Kaufkraft. Dafür dürften auch die Aussicht auf die geringeren Besucherzahlen sorgen. Die Frankfurter Messe rechnet bis Dienstag mit rund 140 000 Besuchern aus aller Welt. Das wären 10 000 weniger als 2001. Ursache dafür sind vor allem die Terroranschläge in den USA. Sie halten immer noch viele Amerikaner von der Reise nach Europa ab.

Die Frankfurter Messe schätzt trotzdem, dass auf der "Ambiente" Bestellungen im Gesamtvolumen von zehn Milliarden Euro aufgegeben werden. Insgesamt sind in diesem Jahr 4887 Aussteller aus aller Welt in Frankfurt vertreten, 57 weniger als im Vorjahr. Die Zahl der deutschen Aussteller ist um rund 3,5 Prozent auf knapp 2050 geschrumpft. Ursache seien etliche Pleiten und Fusionen in den Sparten Porzellan und Accessoires, heißt es bei der Messe Frankfurt.

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