Wirtschaft : Eichels Sparkommissar, Karl Starzacher, soll neuer Chef der Ruhrkohle AG werden

Christoph Schmidt Lunau

Karl Starzacher (54), SPD, bis zur Hessenwahl Hans Eichels Finanzminister der rot-grünen Landesregierung in Wiesbaden, soll bei der Aufsichtsratssitzung am 22. September zum Vorstandsvorsitzenden der Ruhrkohle AG in Essen gewählt werden.

Ein Liebling der Partei war er nie. Gegen das Votum des SPD-Landesvorstands wurde er 1995 Hessischer Finanzminister, dreimal scheiterte er bei dem Versuch, Mitglied im Bezirksvorstand Hessen-Süd zu werden. Als er nach dem zweiten juristischen Examen in den Strafvollzug gehen wollte, holte ihn Ministerpräsident Albert Oswald als Persönlichen Referenten in die Staatskanzlei. Nach dem Sturz Oswalds über den Helaba-Skandal übernahm er dessen Landtagsmandat. Als er Fraktionsvorsitzender werden wollte, machten ihn die Genossen zum Landtagspräsidenten. Jetzt wollte er Finanzminister bleiben, doch das Wählervotum der Hessen verbannte ihn auf die Oppositionsbank. "Nicht ausgelastet" fühlt er sich seitdem. Wiederholt habe er das Gras in seinem Garten gemäht, "obwohl das gar nicht nötig war", sagt der bekennende Workaholic.

Als Finanzminister hat er der rot-grünen Regierungskoalition in Hessen die Spendierhosen ausgezogen. Nicht ohne Bitterkeit halten ihm jetzt seine Genossen vor, dass es die neue Landesregierung mit dem Konsolidierungskurs längst nicht so genau nimmt, wie ihr Sparkommissar Starzacher. Nach mehr als zwei Jahrzehnten in Wiesbaden geht Starzacher mit dem Gefühl, "etwas bewirkt" zu haben.

Er hat nie ausschließlich auf die Politik gesetzt. An der Seite Albert Oswalds mußte er erleben, wie ein Politiker zur Unperson wurde und darunter litt. Ein parteipolitischer Polemiker ist er nie gewesen, auch bei Oppositionsabgeordneten hat er sich Respekt erworben. Wegen seine Detailverliebtheit bis hin zur Kleinlichkeit zieh ihn ein politischer Gegner allerdings, nicht nur ein "Bleistiftspitzer", sondern ein "Bleistiftstummelspitzer" zu sein.

Die nordrhein-westfälische Union bereitet dem künftigen Ruhrkohlechef einen unfreundlichen Empfang. Ein abgehalfterter Sozialdemokrat solle da versorgt werden, hieß es aus Düsseldorf. Starzacher selbst reagiert gelassen. Er setzt darauf, daß am Tag nach der Kommunalwahl die Welt in NRW wieder friedlicher wird. "Essen ist eine schöne Stadt, mit viel Grün und viel Wasser" lobt er seinen künftigen Dienstsitz, ohne die Meldungen über seine Berufung zu bestätigen. Er vertraut auf seine persönliche Überzeugungskraft. Die wird er brauchen im neuen Job.

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