Wirtschaft : Eier im Feengras

Der Osterschmuck ist in diesem Jahr schlicht und aus naturbelassenem Material

Julia Gebert

Spätestens, wenn die Familie am Ostersonntag zum Brunch anrückt, muss die Wohnung mit geschmackvoller, österlicher Dekoration ausgestattet sein. Auch der Tischschmuck sollte stimmig sein – schließlich isst das Auge mit. Doch die Zeiten der Masseneinkäufe von Häschen, Hühnern und Lämmern aus Plastik sind vorbei: Die kommen weder auf den Tisch noch auf die Fensterbank.

Die meisten Menschen legen besonderen Wert auf eine persönliche Note – der Osterschmuck wird sorgfältig ausgewählt und überwiegend selbst zusammengestellt oder sogar gebastelt. Obwohl Traditionalisten seltener werden, sind die Traditionen nach wie vor lebendig: Trendforscherin Annette Bruce von der Agentur Creative Advantage hat eine Rückkehr zur Häuslichkeit beobachtet, die sie vor allem auf die Sorgen und Ängste der Menschen wegen des Irak-Kriegs, der wirtschaftlichen Flaute und der Lungenkrankheit Sars zurückführt.

„Dieses Jahr wird Ostern eher schlicht, opulente Ostergestecke sind mittlerweile unbeliebt“, sagt Bruce. Feiertage wie Ostern würden ernster genommen, es ist wichtiger, Zeit mit der Familie oder anderen Personen zu verbringen, die einem nahe stehen. „Wir stellen soziokulturelle Trends fest, und die gehen dieses Jahr eindeutig Richtung Familiarität und Sicherheit. Osterdekoration wird gezielt ausgewählt, um dem Partner oder der Familie damit eine Freude zu machen“, sagt die Marketing-Beraterin.

Bunte Deko mit klarer Linie

Hell und warm soll der Osterschmuck vor allem sein. Gelb, Orange und Apfelgrün dominieren, sowohl in Pastell als auch in kräftigem Ton. Und das gilt nicht nur im kleinen Rahmen: Auch Events, öffentliche Osterfeiern oder Brunchs für Firmen werden in ähnlichem Stil gestaltet. Dekorateurin Petra Moser von der Event-Agentur PM bestätigt: „Wichtig ist vor allem, dass der Stil eine klare Linie hat.“

Daher wird auch bei den Blumen gerne minimalistisch dekoriert, denn weniger ist manchmal mehr. „Viele wählen zum Beispiel eine einzelne gelbe oder rote Gerbera in einer Vase statt eines fertigen Ostergestecks. Wer beim Design auch mal Experimente macht, kann auch noch das Blumenwasser färben“, sagt die Dekorateurin. Ein klassischer Dauerbrenner auch in klarem Wasser sind die gelb und weiß blühenden Zweige von Kirschbaum, Weide oder Forsythien, die man einzeln oder im Strauß auf den Balkon oder die Ostertafel stellt.

Wichtig ist vor allem, eine gewisse Vorlaufzeit einzukalkulieren – denn die Zweige blühen nicht sofort am nächsten Tag. Man muss sie schon eine Woche vorher ins Wasser stellen, damit sie am Ostersonntag ganz aufgeblüht sind. Andere Zweige wirken nicht über ihre Blüten, sondern werden selbst farbig geliefert: Pink oder gelb gefärbte Birkenzweige sind dieses Jahr auf den Markt gekommen. Wer seine Vase lieber mit Blumen füllt, kann auf farbenfrohe Schnittblumen wie Tulpen, Anemonen, Ranunkeln, Hyazinthen oder Osterglocken zurückgreifen. Dabei geht in diesem Jahr der Trend zu alten Sorten, in den klassischen Farben Rot, Rosa und Gelb.

Abgesehen von den botanischen Dekorationen erleben auch klassische Symbole eine Renaissance. Das Ei wird nicht einfach nur gekauft und auf den Tisch gestellt. Neuerdings misst man dem eine Bedeutung bei, „assoziiert wieder Fruchtbarkeit und Schlichtheit“, sagt Marketing-Beraterin Bruce. Fertig bemalte Ostereier kommen meist aus Osteuropa oder Asien, dasselbe gilt für Hühner und Hasen aus Keramik oder Prozellan.

In diesem Jahr sei allerdings bemerkbar, dass viele wieder anfangen, die Eier selbst zu bemalen oder Osternester zu basteln. Außerdem müssen es längst nicht mehr immer nur Hühnereier sein: Exotische Eier von Straußen, marmorierte oder getupfte Eier wie die von Wachteln oder Fasanen werden seit einigen Jahren in Deutschland verkauft – und sind bei Anbietern von Osterschmuck mittlerweile schon zum Standardangebot geworden.

Für die Osternester haben Blumenläden und Kaufhäuser natürliche Materialien wie Heu, Stroh, Kokosfaser, Moos oder Weide im Angebot. Vor allem für die Blumenläden ist das eine Notwendigkeit geworden: „Es werden mehr Nester gebastelt, anstatt Gestecke und Sträuße zu kaufen“, sagt Annette Bruce. Wer zwei linke Hände oder keine Lust zum Basteln hat, kann Osterschmuck auch in natura kaufen: Häschen-, Hühner- und Lammfiguren aus Ton, Holz oder Heu sind genauso gefragt wie schlichtes Ostergras, Buchsbaum und Weidenkätzchen. Daraus lässt sich bei Bedarf auch eine ganze Osterschule zusammenstellen. Als fertig arrangiertes Kunstwerk kann man solche Osterdekorationen auch auf Basaren oder Kunsthandwerks-Ausstellungen, zum Beispiel aus dem Erzgebirge, kaufen.

Selbst für Familienfestverächter und Minimalisten gibt es neuerdings Ostertrends: „Menschen, die einen modernen, klaren Stil mögen, greifen auf Accessoires und Schmuck aus Glas zurück“, sagt Dekorateurin Moser. „Man kann hohes, leichtes Feengras in einen konischen Glasbehälter pflanzen und ihn mit Ostereiern auffüllen“, sagt sie. Dazu gibt es Windlichter. Die sind im Frühjahr nicht schwer, mit ausgeprägten Metallkomponenten, sondern aus Glas, zur Ostersaison auch in gefärbtem Glas. Und das zum ersten Mal: „Das ist wirklich neu, bisher waren Windlichter eine reine Herbst-Dekoration“, sagt Annette Bruce.

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