Wirtschaft : Ein deutscher Exportschlager

Die GIZ will das hiesige Ausbildungs-System in den USA einführen.

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Berlin - In Afrika oder Asien sind die weißen Geländewagen mit dem roten Logo „GIZ“ allgegenwärtig. GIZ steht für Internationale Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, eine bundeseigene Agentur, die im Auftrag des deutschen Entwicklungsministeriums  und anderer Auftraggeber Entwicklungshilfe in armen Regionen der Welt leistet. Vom heutigen Dienstag an wird das GIZ-Logo aber auch an einem roten Klinkerbau in Charlotte, North Carolina prangen. Denn deutsche Entwicklungsexperten sollen künftig die berufliche Bildung in dem US-Bundesstaat verbessern.

Konkret will sich die GIZ an Ausschreibungen in diesem Bereich an Community Colleges der Region bewerben. Deutschland sei in der beruflichen Bildung Vorreiter, sagte GIZ-Vorstandssprecherin Tanja Gönner, Ex-Umweltministerin Baden-Württembergs, bei der Jahrespressekonferenz der GIZ am Montag in Berlin. Gemeint ist das Duale System, das schulische und praktische Ausbildungselemente verbindet. Es gilt als der Exportschlager der deutschen Entwicklungszusammenarbeit – und wird nun zunehmend in Ländern nachgefragt, in denen deutsche Unternehmen tätig sind.

North Carolina gilt ebenfalls als bevorzugter Standort für deutsche Unternehmen. Neben Konzernen wie Siemens sind dort 165 deutsche Mittelständler vertreten. Auch sie hätten ein Interesse an verbesserten Ausbildungsverfahren, sagte Gönner, die gleichzeitig betonte, dass in dieses und andere GIZ-Vorhaben außerhalb der klassischen Entwicklungszusammenarbeit keine Steuergelder flössen. Sie sind gleichwohl Teil einer Neuausrichtung der GIZ parallel zum bisherigen Kerngeschäft, dass die seit einem Jahr amtierende Chefin vorantreiben will.

Hans-Jürgen Beerfeltz, Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und GIZ-Aufsichtsratsvorsitzender, erläuterte, dass weiter fast die Hälfte des BMZ-Etats für Projekte im ärmsten Kontinent, Afrika, ausgegeben werde. Das BMZ unterstütze die GIZ aber ausdrücklich darin, neue Geschäftsfelder zu erschließen. So hat die Bundesregierung die GIZ auch bei Reformvorhaben in Griechenland ins Spiel gebracht. Die deutsche Entwicklungsfachleute sollen den Umbau von lokalen und regionalen griechischen Verwaltungen begleiten und beim Ausbau Erneuerbarer Energien helfen.

Das vergangene Geschäftsjahr der GIZ bewerteten Gönner und Beerfeltz als „äußert erfolgreich“. Das Geschäftsvolumen konnte um fast 70 Millionen auf 2,1 Milliarden Euro gesteigert werden. Rund ein Fünftel davon entfiel nicht auf deutsche Staatsaufträge. Seit der Fusion der früheren GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit) mit dem DED (Deutscher Entwicklungsdienst) und der Bildungsagentur Inwent zur GIZ verfügt das Unternehmen weltweit über 16 229 Mitarbeiter. Der 2011 erfolgte Zusammenschluss hat sich laut Beerfeltz bereits 2012, zwei Jahre früher als geplant, wirtschaftlich bezahlt gemachtUlrike Scheffer

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