Wirtschaft : Ein enttäuschendes erstes Jahr

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Das erste Geschäftsjahr für den neuen Chemie- und Pharmakonzern Degussa-Hüls ist enttäuschend verlaufen. Der Umsatz schrumpfte 1998/99 (30. September) um zwei Prozent auf 12,3 Milliarden Euro (rund 24 Milliarden Mark), das Ergebnis vor Steuern ermäßigte sich unter anderem wegen der Fusionskosten um 39 Prozent auf 399 Millionen Euro. Der Vorstandsvorsitzende Uwe-Ernst Bufe hatte vor einem Jahr ein Umsatzwachstum von fünf bis sechs Prozent in Aussicht gestellt und eine Rendite von 14 Prozent angepeilt. Den Aktionären schlägt der Vorstand eine Dividende von 0,90 Euro je Stückaktie vor.

Der Vorstand begründete die deutlichen Einbußen vor allem mit den Belastungen aus der Fusion. Sie liegen allerdings nur bei 92 Millionen Euro und decken damit den Ergebnisrückgang von 255 Millionen Euro nur zum Teil ab. Vor allem im Geschäftsfeld Polymere und Zwischenprodukte musste Degussa-Hüls einen erheblichen Dämpfer hinnehmen: Allein im vierten Quartal schrumpfte dort das Ergebnis von 194 Millionen Euro im Vorjahr auf nur noch 48 Millionen Euro. Insgesamt jedoch war nach Angaben des Vorstandes das vierte Quartal das beste des laufenden Geschäftsjahres. Das operative Ergebnis sei im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal um 25 Prozent gestiegen.

Vor allem die Inlandsgeschäfte liefen nicht so wie erwartet. In fast allen Bereichen gab es Rückgänge, der Gesamtumsatz ermäßigte sich um drei Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. In Europa gab es ein Minus von sechs Prozent, in Asien und Lateinamerika liefen die Geschäfte ebenfalls schlechter. Nur in Nordamerika konnte Degussa- Hüls den Umsatz halten.

Der Vorstand will angesichts der enttäuschenden Ergebnisse jetzt mit Nachdruck die Synergieeffekte aus der Fusion umsetzen. Bis Ende September habe man bereits jährliche Einsparungen in Höhe von 72 Millionen Euro realisiert. "Das von uns im Vorfeld der Fusion genannte Synergiepotenzial von jährlich 180 Millionen Euro ab dem dritten Quartal wird erreicht", betont der Vorstand. Die Zahl der Beschäftigten bei Degussa-Hüls kletterte im ersten Geschäftsjahr leicht auf 45 335.

Nach dem Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 1998/99 schiebt das Unternehmen bis Jahresende ein dreimonatiges Rumpfgeschäftsjahr ein, um ab 2000 das Kalenderjahr als Geschäftsperiode ausweisen zu können. Durch Verbesserungen in den Segmenten Polymere sowie Zwischen- und Spezialprodukte sowie durch Ertragsimpulse aus Synergieprojekten werde im derzeit laufenden Rumpfgeschäftsjahr mit einem höheren Gewinn als vor einem Jahr gerechnet, hieß es. Auch sei derzeit geplant, einen Teil der vor der Ausgliederung stehenden Edelmetall-Sparte an die Norddeutsche Affinerie abzugeben. Dies werde als Fortsetzung der bestehenden Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmen gesehen, hieß es.

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